

Fotos: Milerski
Kennzeichen:
Das Ostfriesische Milchschaf ist ein großrahmiges, kräftiges Schaf mit schlichter Wolle, welches neben dem ursprünglichen weißen Farbschlag auch in schwarzbraun oder gescheckt vorkommt. Der längliche Kopf ist leicht ramsnasig und mit feinen Stichelhaaren besetzt. Ebenso wie der dünne, lange Schwanz ist dieser unbewollt. Beide Geschlechter sind hornlos. Die langen, dünnen Ohren sind nach vorne gerichtet, die Augen sind groß und durch stark entwickelte Tränendrüsen gekennzeichnet. Der tiefe Rumpf, der lange gerade Rücken und die leicht abschüssige Kruppe sind gut bemuskelt. Das Euter ist, um mit den saugenden Lämmern, aber auch mit der Melkmaschine kompatibel zu sein, breit angesetzt und fest aufgehängt. Vorder- und Hintereuter sind gut ausgebildet und das Zentralband teilt das drüsige Euter in zwei symmetrische Hälften. Die Striche sind zueinander symmetrisch und nach vorne abgerundet. Sie zeigen leicht nach vorne-außen.
Verbreitung:
Heute in ganz Deutschland verbreitet mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und im Weser-Ems-Gebiet. Zudem Bestände in allen anderen mitteleuropäischen Ländern.
Herkunft:
Das Ostfriesische Milchschaf entstand um das Jahr 1850 aus der Zusammenfassung von zwei in Ostfriesland beheimateten Schlägen des Marschschafes (Groninger- und Friesenschaf). Vor allem in Notzeiten breitete sich die Rasse deutschlandweit aus und wurde neben der Ziege als Kuh des kleinen Mannes geschätzt. Nach vorübergehenden Einkreuzungen englischer Fleischschafe wurden 1897 die ersten Zuchtvereine gegründet, die sich schon bald zu einem Zuchtverband für das Ostfriesische Milchschaf zusammenschlossen. Eine planmäßige Herdbuchzucht existiert seit 1908. Bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden Zuchttiere in diverse Länder exportiert, in denen Schafmilch eine große Bedeutung hat.
Eigenschaften und Leistung:
Das Ostfriesische Milchschaf ist nicht nur aufmerksam und zutraulich, sondern auch sehr anpassungs- und widerstandsfähig. Im Gegensatz zu den anderen Schafrassen gilt es nicht als Herdentier, lässt sich aber durchaus auch in größeren Beständen halten. Die Dreinutzungsrasse dient nicht ausschließlich der Milchproduktion, sondern auch der Woll- und Fleischproduktion. Das Ostfriesische Milchschaf zeigt ein saisonales Brunstverhalten und die erste Lammung ist mit 12 bis 14 Monaten möglich. Es wird ein Ablammergebnis von 200 bis 300 % erreicht. Somit gilt das Ostfriesische Milchschaf als äußerst fruchtbar und frühreif. Das Vliesgewicht liegt bei 5 – 7 kg und die Crossbred-Wolle ist mit 32-38 μm fein. Die Jährlingsböcke erreichen ein Körpergewicht von 90 – 120 kg und die Jährlingsschafe ein Gewicht von 60 – 80 kg. Mutterschafe wiegen zwischen 70 und 100 kg und Altböcke zwischen 110 und 130 kg. Das rassetypische Geburtsgewicht beträgt bei Einlingen 5 kg und bei Mehrlingen 4 kg. Die Tageszunahmen der Schlachtlämmer befinden sich im Bereich von 300 – 400 g und das handelsübliche Mastendgewicht beträgt 42 – 50 kg. Die Milchleistung beträgt 400 bis 600 kg (150 Tagesleistung) bei etwa 5 – 6 % Fett und 4 – 5 % Eiweiß. Als genetische Besonderheit besitzt die Rasse ein Scrapie-Resistenzgen.
Bestand:

Gefährdungsgrad: Kategorie II, stark gefährdet laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.