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(Foto: Friedrich Hainbuch)

 

 

Kennzeichen:

Meist braune bis dunkelbraune Farben, selten auch Füchse, Schimmel (in der Nachzucht nicht gewünscht) und Rappen; selten und begehrt: Falbfarben; keine Schecken; kaum Abzeichen.

Stockmaß ca. 130-144 cm (In Deutschland durch die guten Aufzuchtbedingungen auch größer, daher gilt bis jetzt noch ein Stockmaß bis 147,5 cm)

Erwünscht ist das Erscheinungsbild eines genügsamen und kräftigen Gebirgspferdes

Im Körperbau zeigt sich der Bonsiake folgendermaßen:

mittelgroßer und ausdrucksvoller Ponykopf mit breite Stirn, ausdrucksvolle und dunkle Augen; korrektes Gebiss und große Nüstern; kräftiger und wohlgeformter Hals; die Schulter ist kräftig und schräg; breite Brust; teilweise wenig markanter Widerrist; breiter und sehr gut bemuskelter eher kurzer Rücken; muskulöse und breite, tendenziell abfallende Kruppe mit tiefem Schweifansatz; üppiges und dichtes Langhaar; relativ kurze, kräftige und trockene Gliedmaßen mit einem Röhrbeinumfang bis 18 cm, und sehr harten und genügend große Hufen.

Gangarten: Grundgangarten, harmonischer Schritt und Trab, gute Galoppaden mit viel Schub aus der Hinterhand. Dabei soll der Bewegungsablauf taktrein und ökonomisch mit viel Trittsicherheit sein.

 

Verbreitung:

In der Ursprungsregion gibt es keine staatliche Zucht mehr, der Bestand ging an Privatleute, die heutige Zahl der Bosniaken dort kann nur geschätzt werden. In Deutschland und auch im restlichen Europa gibt es Bosniaken, die Population wird als stark bedroht eingeschätzt.

 

Herkunft:

Das Bosnische Gebirgspferd gilt als sogenannte autochthone Pferderasse, d.h. es ist nachweislich seit ca. 2600 Jahren im ehemaligen Jugoslawien (Bosnien und Herzegowina) beheimatet.

Seit langem ist anerkannt, dass der Bosniak ein entfernter Abkömmling des Tarpan und des Przewalski-Pferdes ist.

Durch die Einfälle von Hunnen, Awaren und Madjaren, deren Pferde nach den Schlachten in „Gefangenschaft“ blieben, kam es zu einer Vermischung dieser Steppenpferde (Abkömmlinge von Tarpan und Przewalski-Pferde) mit den lokalen Rassen. Dies trug zur hohen Qualität des heimischen Pferdes bei.

Mit der Entwicklung des Handels zwischen bosnischen und dalmatischen Städten, wurden Lasten auf, sich in langen Reihen bewegenden, ausdauernden Pferden transportiert. Damals konnten solche Züge durchaus bis zu tausend Tiere zählen.

Mit Einfällen und Angriffen des osmanischen Heeres gegen Bosnien und Herzegowina gelangten orientalische Pferde nach Bosnien. Das arabische Pferd war dabei die vorherrschende Rasse.

Die Mehrheitsmeinung der Experten lautet dahingehend, dass der heutige Bosniak durch Einkreuzung von Arabern in die heimischen Rassen entstand. Der Bosniake machte seit Jahrhunderten etwa die Hälfte des gesamten Pferdebestandes in Jugoslawien aus. Um 1900 wurden 240.000 Pferde, Esel und Maultiere gezählt.

Diese Vielzahl an Pferden war im Karstgebiet im heutigen Zentraljugoslawien zu Hause, in dem der harte Winter etwa ein halbes Jahr andauert. Als hauptsächlichste Gesteinsarten kommen Kreide, Jura, Triaskalke, Dolomite, rote Sandsteine und Quarzite vor. Nach diesen Bodenverhältnissen richtet sich der Bewuchs: an den Hängen und in den Höhen weitreichende Wälder, vornehmlich bestehend aus Eichen, Eschen, Buchen und Weißbuchen sowie weitläufige kräuterreiche Weiden.

Durch den Bosnienkrieg (1992-1995) hat sich die Zucht dort zerschlagen. In den 20 Jahren davor wurden aber über 3000 Tiere nach Deutschland importiert.

Die einfache Lebensweise und der vielfache Einsatz als Gebirgs- und Bergsteigerpferd des Militärs (bis 1992) sowie als Zugtier im Wald und in der Landwirtschaft haben dieser Rasse immer schon einen sicheren Tritt bewahrt, auch unter großen Lasten.

Heute gibt es kein Militärgestüt mehr, das heißt, staatlicherseits gibt es kein Interesse an der Reinzucht und Erhaltung des Gebirgspferdes.

Auch das einstige Staatsgestüt in Borike befindet sich inzwischen in privater Hand. Von 80 reinrassigen Gebirgspferden im Jahr 2013 existieren heute dort nur noch 14. Die Internationale Züchtergemeinschaft mit Sitz in der Nähe von Ljubljana bemüht sich, Pferde des ursprünglichen Typs gentechnisch zu erfassen und nach Möglichkeit aus Bosnien herauszuholen.

 

Eigenschaften/Leistung:

Zwar bezeichnen wir diese Rasse gemeinhin als Bosnisches Gebirgspferd, doch wird sie international als Pony klassifiziert. Es handelt sich um Pack-, Zug- und Reitpferde. Sie sind kompakt gebaut, widerstandsfähig gegen Krankheiten, verfügen über einen kräftigen Körper und große Ausdauer. Als „Kind“ rauer Natur und strenger natürlicher Auslese sind sie zudem sehr gut an das Klima der jeweiligen Region angepasst. Sie bewegen sich rasch, äußerst geschickt und wendig auch im unwegsamsten Gebirge und tragen dabei die unterschiedlichsten Lasten und Reiter. Bosniaken sind wach und selbstsicher, anspruchslos was Nahrung und Unterbringung angeht, stets lebhaft aber gleichzeitig aufmerksam und bereit alles zu tun, was man ihnen erwartet. Solche Leistungen verlangen feste Hufe, kräftige Beine und sicheren Tritt, eine kräftige Brust und ein gutes Auge sowie großes Geschick.

Im Wesen sind sie hart, ausdauernd und anspruchslos dabei stets gehorsam und einsatzwillig; temperamentvoll, aber ausgeglichen; instinktsicher mit gutem Orientierungssinn; intelligent und anhänglich; als Kinderreitpony nur bei solider Ausbildung geeignet. Hengste eignen sich bei guter Ausbildung von Reiter und Pferd auch für die Hohe Schule.

Bei langen und intensiven Belastungen wie im Distanzsport und bei langen Wanderritten sollte unbedingt auf eine solide und gründliche Fellpflege und auf bewährtes, qualitätvolles Equipment Wert gelegt werden.

 

Besonderheiten:

Schon früh entstanden verschiedene Wettbewerbe, bei denen sich die Eigenschaften der Bosniaken positiv bemerkbar machten. Im Jahr 1893 fand ein Distanzrennen über 288 Kilometer statt, bei dem Bosniaken die vordersten Plätze belegten.

In den Wettbewerbskalender wurde 1912 und 1913 das „Gebirgsreiten“ aufgenommen, mit dem das heimische Pferd seine wahren Stärken demonstrieren sollte. Dabei galt es Strecken von etwa 10 bis rund 30 km bei großen Höhenunterschieden (um die 300 m) als schnellster zu überwinden. Weitere Rennen über zum Teil unwegsames Gelände wurden in den 1930er Jahren sogar durch die Regierung mit Siegprämien unterstützt.

 

Bestand:

Im Ursprungsgebiet gibt es heute ca. 200 Tiere, davon nur ein geringer Anteil im Zuchtbuch, die Rasse gilt als extrem gefährdet.

In Deutschland sind derzeit um die 40 Tiere vorhanden, nicht alle von ihnen sind in einem Zuchtverband eingetragen. Im Dezember 2014 konnten noch einmal zwei reinrassige Bosniaken-Stuten aus dem Ursprungsgebiet nach Deutschland importiert werden, eine davon tragend. Die Geburt eines Hengstfohlens verlief komplikationslos und wird als wichtiger Schritt in der Erhaltung der Bosniaken in Deutschland angesehen.

 

Herdbuch:

Derzeit sind 3 Hengste und 12 Stuten im Zuchtbuch des Bayerischen Zuchtverbands für Kleinpferde- und Spezialrassen eingetragen.

 

Gefährdungsgrad:

Kategorie Rassen aus anderen Ländern in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.

 

 

Kontakt

 

Weiterführende Informationen:

Bosnisches Gebirgspferd (aus: Gefährdete Nutztierrassen - Schwerpunkt Pferde und Esel, GEH, 2017)

Bosnisches Gebirgspferd (Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland)