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Schwerpunkt - Schweine


Vorwort

Dr. Reiner Seibold, Haag/Amper

Eine der ersten Broschüren der GEH - damals in Zusammenarbeit mit der Messeleitung Berlin anläßlich der Internationalen Grünen Woche 1990 erstellt - widmete sich dem Schwein. Die überraschende Nachfrage an dieser Broschüre und damit an den Schweinerassen machte bald einen Nachdruck erforderlich. Da dieser Trend noch immer anhält, haben wir uns zu dieser völligen Neuauflage entschlossen.

Die historischen Schweinerassen waren für die Bevölkerung von fundamentaler Bedeutung: sie lieferten Speck. Als Grundlage für die Wurstherstellung und durch die günstige Konservierungsmöglichkeit des Räucherns war Speck einer der wichtigsten Nahrungsbestandteile überhaupt. Selbst in Grenzertragslagen wandelte sich die reine Grünlandwirtschaft zur gemischten Feld-Gras-Wirtschaft mit der Möglichkeit der Schweinehaltung. Diese war stets extensiv, z. B. Weidehaltung mit Eichelmast im Herbst, evtl. mit Verwertung von Molke auf den Almen. Die extensive Freilandhaltung erforderte robuste Rassen, sehr eindrucksvoll zeigt dies heute noch die Schweinehaltung in den Save-Auen des Turopolje. Robuste Rasse - Speckrasse, dies ist bekanntlich kein Widerspruch.

Modernes Gesundheits- und Ernährungsbewußtsein, Angst vor dem Cholesterin (der Herzinfarkt kommt doch hoffentlich nicht von all den sonstigen unphysiologischen Lebensumständen in unserer Industriegesellschaft!?), Schlankheitsideal ..., kurz, mageres Schweinefleisch wurde gefragt, der Speck geriet ins Abseits. Es wurde "umgezüchtet". Die alten Speckrassen verschwanden. Die modernen Magerfleischrassen wurden nun von der Weide in den Stall verbannt. Die intensive Schweinehaltung lieferte das Magerfleisch in großer Menge und billig dazu!

Heute stellen vier Schweinerassen 98 % des Herdbuchbestandes der BRD. Die moderne Intensivhaltung gerät in Verruf - nicht zuletzt auch durch ihre Begleiterscheinungen des Hormon- und Medikamenteneinsatzes und der Schweinepest. Die artgerechte Schweinehaltung kommt ins Gespräch - und mit ihr die letzten Reste der alten Robustrassen, die doch wiederholt die DLG-Sieger als Qualitätsfleischlieferanten stellten.

Die Zukunftschance der alten Schweinerassen liegt weniger bei Hobbyzüchtern oder in der Landschaftspflege, wie dies beim Schaf der Fall ist, sondern mehr beim Verbraucher! Aus einer artgerechten Schweinehaltung stammendes Qualitätsschweinefleisch kann man mit ruhigem Gewissen verzehren!


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