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Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter
Haustierrassen e.V. (GEH)
Schwerpunkt - Schweine |
Sandra Nickels, Witzenhausen
Nur mit dem guten Willen allein ist es nicht getan, denn die langfristige Erhaltung gefährdeter Schweinerassen setzt eine erfolgreiche Züchtung und Haltung voraus. Dazu sind Fachkenntnisse der Schweinehaltung und eine koordinierte Züchtung nötig, eine artgemäße Haltung der Schweine und ein Rahmen, in dem eine erfolgreiche Fleischvermarktung möglich ist.
Sehr hilfreich dazu ist die Zusammenarbeit von Züchtern bzw. Erzeugern, die sich bisher zum Teil schon im Förderverein Angler Sattelschwein, der Züchter- und der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hällisches Schwein und der Interessengemeinschaft der Wollschweinehalter zusammengefunden haben.
Bei der Reinzucht der gefährdeten Rassen in kleinen Populationen ist eine genaue Erfassung der Abstammung, der Blutlinien und der Herkunft notwendig, um eine Übersicht über die Verwandtschaft der Tiere zu bekommen und eine gezielte Anpaarung planen zu können. Die Kennzeichnung und Erfassung aller Zuchttiere, die Erstellung eines Zuchtprogrammes und die Vermittlung von Zuchttieren ist die Aufgabe der Rassebetreuer der GEH oder entsprechender Organisationen, die von allen Züchtern in Anspruch genommen werden sollten. Auch die genetische Drift, die bei einer gezielten Züchtung durch Selektion entsteht, gilt es zu berücksichtigen. So bedeutet Erhaltungszucht, festgelegt in den Zuchtzielen der einzelnen Rassen, auf einseitige Selektion nach besser vermarktungsfähigem Magerfleisch zu verzichten, weil damit gekoppelt andere Qualitäten verlorengehen würden.
Eine künstliche Besamung oder sogar Embryotransfer bei Sauen ist zwar generell möglich, stellt aber besondere Anforderungen an den Züchter. Ebersperma kann nur drei Tage konserviert werden, zudem stehen in den Besamungsstationen nur sehr vereinzelt Eber gefährdeter Schweinerassen. Statt des immer neuen Ver- und Ankaufs von Deckebern, bei Wollschweinen in geringem Maß sogar aus dem Ausland, bietet sich als praktikable Methode in kleinen Beständen die Rotation der Deckeber an. Dabei ist Vorsicht geboten, damit die Seuchenbestimmungen eingehalten werden (Schweinepest, Aujetzky). Für die Aujetzky-Impfung ist jetzt ein Marker gefunden, mit dem die Antikörper gekennzeichnet werden, so daß die geimpften Tiere von infizierten zu unterscheiden sind. In jedem Fall ist es sinnvoll, die Tiere vorher durch einen Tierarzt untersuchen zu lassen und die Veterinärbehörde in Kenntnis zu setzen.
Bei der Beendigung der Zuchtarbeit und damit der Aufgabe von Beständen sollten möglichst alle wertvollen Zuchttiere und wenigstens alle wichtigen oder seltenen Blutlinien weitergegeben werden, notfalls auch in Form von "Rettungsaktionen" über die GEH.
Selbstverständlich sind gefährdete und alte Schweinerassen Nutztiere und sollen nicht zum Selbstzweck erhalten werden, sondern in lebenden Tierbeständen in der Landwirtschaft, die mit und von ihnen lebt. Ein großer Teil der Bestände findet sich auf konventionellen kleinbäuerlichen Betrieben oder auf ökologischen Betrieben mit Selbstvermarktung oder besonderen Vermarktungskonzepten. Auch eine staatliche Einrichtung, die Lehr- und Versuchsanstalt in Ruhlsdorf, hat sich der Zucht der Sattelschweine verschrieben.
In den Qualitätsfleischprogrammen verschiedener Erzeugergemeinschaften des Schwäbisch-Hällischen Schweins ist zur Erzeugung von Mastschweinen die Kreuzung von Fleischrasseebern (Pi, LB) mit Schwäbisch-Hällischen Sauen üblich.
Im Naturschutz und in der Landschaftspflege halten Schweine Flächen von Bewuchs frei, und auch in der Landwirtschaft können Schweine zum Umbruch von Grünland oder Ackerflächen eingesetzt werden. Zur Demonstration und Anschauung werden alte Schweinerassen in Haustierparks, Zoos und Freilichtmuseen gehalten. Insbesondere die Wollschweine werden aufgrund ihres ursprünglichen Aussehens im Hobbybereich gehalten.
Der Absatz von lebenden Tieren aus der Reinzucht erweist sich schnell als begrenzt, denn die Reproduktionsrate übersteigt die Nachfrage nach geeigneten Zuchttieren. Durch hofeigene Vermarktung von Wurst und Fleisch können die Reinzuchttiere abgesetzt werden. Auch Erzeugerzusammenschlüsse unterstützen das Vorhaben der Vermarktung von Fleisch einer besonderen Qualität und können vermitteln, daß der Konsum die Erhaltung gefährdeter Schweinerassen mit besonderen Eigenschaften in artgemäßer und/oder ökologischer Haltung unterstützt. Bei einem konventionellen Verkauf von Einzeltieren bevorzugen die Dorfmetzger möglicherweise alte Rassen, die Nachfrage nach Mastschweinen in Großschlachtereien hingegen wird mit Sicherheit eher mit Kreuzungsprodukten befriedigt, die aufgrund des höheren Magerfleischanteils bessere Preise erzielen.
Die Haltung gefährdeter Rassen ist dauerhaft nur realisierbar, wenn Gewinne erzielbar sind. Eine kleine Unterstützung sind die Förderprämien, die jedes Bundesland für seine bodenständigen Nutztierrassen gewährt.
Die vier gefährdeten Schweinerassen werden mit Erhaltungsprämien in den jeweiligen Bundesländern, in denen sie ihren Ursprung hatten, gefördert. Im Gegensatz zu anderen Tierarten erhalten die Bundesländer hierfür keine Zuschüsse aus EU-Mitteln.
Die Übersicht soll veranschaulichen, in welchen Fällen eine Förderung zu erwarten ist (Stand 12/95).
Fördermittel Schwäbisch-Hällisches Schwein:
Baden-Würtemberg
Sauen: Wurfprämie für Sauen im
Zuchtbuch, nur für Mitglieder. Kontakt: Schweinezuchtverband Baden-Würtemberg
e.V., Heinrich-Baumann-Str. 1/3, 70190 Stuttgart.
Fördermittel Deutsches Sattelschwein: Berlin-Brandenburg
Sauen:
Zuschuß an Züchtervereinigung und Wurfprämie; Eber: Zuschuß
an Züchtervereinigung und Haltungsprämie für Zuchteber.
Kontakt: Schweinezucht- und Produktionsverband Berlin-Brandenburg e.G.,
Bernauer Chaussee 1, 16321 Schönau.
Fördermittel Deutsches Sattelschwein: Sachsen
Sauen:
einmalige Wurfprämie, Voraussetzung: Wurfeltern im Zuchtbuch; Eber:
Haltungsprämie/Jahr, Voraussetzung: Zuchtbuch Abteilung A; für
Mitglieder des SZV. Kontakt: Sächsischer Schweinezuchtverband e.V.,
Pornitzstr. 3a, 09112 Chemnitz.
Fördermittel Deutsches Sattelschwein: Thüringen
Sauen:
Wurfprämie für reinrassigen Wurf, für Sauen im Zuchtbuch,
Betrag variiert nach Mittelbereitstellung und Tierzahl, max. 15 Würfe/Züchter/Halb-jahr.
Kontakt: Thüringer Schweinezucht- und Produktionsverband e.V., Musäusstr.
1, 99423 Weimar.
Fördermittel Angler Sattelschwein: Schleswig-Holstein
Sauen:
Wurfprämie, einmalige Aufzuchtprämie/Erstlingssau; Eber:
Haltungsprämie/Monat für Deck- oder Besamungseber;
Ankaufsbeihilfe einmalig für Eber und Sauen; Förderung für
Spermaankauf von außerhalb Schl.-Holst.; Voraussetzung: Eintragung
ins Zuchtbuch. Kontakt: Schweineherdbuchzucht Schleswig-Holstein e.V.,
Rendsburger Str. 178, 24537 Neumünster.
Fördermittel Bunte Bentheimer Schweine: Niedersachsen
Sau
und Eber: Haltungsprämie/Jahr; Voraussetzung: Eintragung ins
Zuchtbuch und Teilnahme am Zuchtprogramm; Förderung insg. beschränkt
auf 30 Sauen und 10 Eber. Kontakt: Schweinezuchtverband Weser-Ems e.G.,
Europaplatz 16, 26123 Oldenburg.
DGFZ (1992): Genetische und methodische Probleme bei der Erhaltung alter Haustierrassen in kleinen Populationen. Vorträge der GEH und DGFZ. GEH, Witzenhausen.
LANDBAUFORSCHUNG VÖLKENRODE (1994): Konzept zur Erhaltung und Nutzung tiergenetischer Ressourcen in der Landwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland. Sonderheft 151. FAL, Braunschweig.
Ein Informationsservice des Informationszentrums Biologische Vielfalt (IBV) der ZADI
Geschäftsstelle (GEH)