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Schwerpunkt - Schweine


1.10. Die Rückzüchtung eines Deutschen Weideschweins

Sandra Nickels, Witzenhausen


Zuchtgeschichte des Deutschen Weideschweins

1899 gründeten in Hildesheim Züchter des Hannover-Braunschweigischen Landschweins, das später als Deutsches Weideschwein bezeichnet wurde, eine Züchtervereinigung. Die Rasse stammt ursprünglich aus dem Osten und soll von slawischen Volksstämmen mitgebracht worden sein.

Im Typ konnte es seine nahe Verwandtschaft zum Wildschwein kaum verleugnen: spitzer gerader Schädel, kleine Stehohren, Karpfenrücken, dichtes Borstenkleid mit Borstenkamm, schwarzweiße Sattelung, mittelgroß.

Durch die gute Marschfähigkeit konnten Getreide- und Kartoffelfelder nachgeweidet werden, der Wald von Larven der Waldschädlinge dezimiert werden. Weideschweine wurden mit Weidevormast und weniger gehaltsreichen Futtermitteln bis 250 kg gemästet. Zur Erzeugung von spätreifen Speckschweinen (150 - 200 kg) in Hausmast und für Fleischkonservenfabriken, die qualitativ gute Dauerwaren, Speck und Schinken lieferten, wurde der größte Teil der Sauen mit veredelten Landschweinen gekreuzt. Das Weideschwein wurde auch besonders gern in veredelten Zuchten eingekreuzt, wenn durch Streben nach Frühreife die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Witterungseinflüsse zu sehr herabgesetzt war.

Nach 1958 erfolgte ein schneller Rückgang der Rasse. Die herzhaft deftigen Speckseiten und Dauerwurstwaren des Deutschen Weideschweins ließen sich nicht mehr auf dem Markt absetzen. 1972 wurde die Zucht geschlossen, und seit 1975 gilt das Weideschwein als ausgestorben.

Rückzüchtung

Einmal ausgestorbene Rassen lassen sich genetisch nicht wieder reproduzieren. Aus den noch vorhandenen Abkömmlingen und entsprechenden Ausgangsformen (Wildschwein) können über Genkombinationen Typen entwickelt werden, die in den Eigenschaften ähnlich sind. Über dominant-rezessive Erbgänge und Aufspaltung lassen sich durch Selektion gezielte Kreuzungen durchführen. Die während der Domestikation verlorengegangenen Gene, die einmal in bestimmter Kombination vorgelegen haben, lassen sich nur teilweise rekombinieren. Eine genetische Identität ist nicht wiederherstellbar, so aber genetisch ähnliche Schweine, die vor allem in ihren Merkmalen und Eigenschaften der Ursprungsform vergleichbar sind. Dies entspricht einer Neuzüchtung bzw. dem fest geprägten Begriff Rückzüchtung.

Rückzüchtung eines Deutschen Weideschweins
Rückzüchtung eines Deutschen Weideschweins (Foto: Antje Feldmann)

Im Berliner Raum wurde das Museumsdorf Düppel im Stil der Zeit aus dem Jahr 1200 wiederaufgebaut. Dabei stellte sich für den im landwirtschaftlichen Bereich verantwortlichen Wissenschaftler Prof. Werner Plarre die Aufgabe, einen Weideschweintyp rückzuzüchten. Als Grundlage der Rückzüchtung 1980 dienten die Rassen, die dem Typus des Weideschweins noch am nächsten kommen. Die heutigen Kreuzungen haben inzwischen einen Anteil von: Mangalitza-Wollschwein (40 %), Wildschwein (33 %), Rotbunte Husumer (20 %) und Deutsche Landrasse (7 %). Die Population der Düppeler Schweine umfaßt z. Z. sechs männliche und zwei weibliche ausgewählte Jungtiere, die als ex situ Ressource registriert sind. Inzwischen sind Zuchttiere aus Düppel an andere Betriebe abgegeben worden, für die die Vermarktung vorangetrieben wurde. Den Schlachtprodukten ist eine außergewöhnliche Qualität bescheinigt worden.

Das Rheinische Freilichtmuseum Kommern bemüht sich schon seit Jahren um die Erhaltung und Rückzüchtung von seltenen Haustierrassen. Seit Anfang der neunziger Jahre wurde in enger Zusammenarbeit mit Prof. Vlado Dzapo versucht, durch gezielte Kreuzungen verschiedener Schweinerassen die Charakteristika des Weideschweins herauszuzüchten. Tiere der Deutschen Landrasse, des Deutschen Edelschweins, des Duroc, der Belgischen Landrasse, des Hampshire, des Pietrain und nicht zuletzt des Wildschweins dienten zur Zucht. In den historischen Stallanlagen und im Waldgehege des Museums befinden sich nun wieder robuste Schweine, die Körperbautyp und Rassemerkmale der Deutschen Weideschweinrasse aufweisen.

Literatur:

PLARRE, PROF. WERNER: Die Rückzüchtung eines mittelalterlichen Weideschweins im Museumsdorf Düppel, Berlin, 1990.

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