GEH-Logo klein Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)

Schwerpunkt - Schafe und Ziegen


Vom Wildtier zum Haustier


Gerd Bauschmann, Wetzlar

Die Domestikation, der Übergang vom Wildtier zum Haustier, ist eng mit der Entwicklung des Ackerbaus verknüpft. Der steinzeitliche Mensch war dadurch an seine Ackerkulturen gebunden und konnte nicht mehr ständig hinter der Jagdbeute herziehen, um seinen Fleischbedarf zu decken. Er war quasi gezwungen, gezähmte Tiere als lebenden Vorrat in Gehegen zu halten und sie mit einem Teil der Kulturpflanzen bzw. mit Abfällen zu füttern. Nur solche Tiere wurden in Gefangenschaft weitervermehrt, die bestimmte, für den Menschen nützliche Eigenschaften hatten. Friedliche Tiere wurden aggressiven vorgezogen, genügsame den anspruchsvollen und solche, die bessere Leistungen als ihre wilden Vorfahren zeigten, den leistungsärmeren.

Der Übergang vom Wildtier zum Haustier fand in verschiedenen Teilen der Welt, oft unabhängig voneinander, statt. So wird der Hund, der als ältestes Haustier gilt, für Mitteleuropa erstmals ca. 12 000 v. Chr. belegt, für Kleinasien 10 000 v. Chr., für Nordamerika 8 500v. Chr. und für Nordgriechenland 6 500 v.Chr.

9 000 v. Chr. tritt das Schaf als Haustier erstmals in Kleinasien in Erscheinung, Hausschweinfunde aus der Ukraine datieren um 8 000 v. Chr., 7 500 v. Chr. folgt die Hausziege in Kleinasien, 6 500 v.Chr. das Hausrind in Kleinasien und Griechenland, 3 500 v. Chr. das Pferd in der Ukraine.

Der Widder

Als Stammform für das Hausschaf ist das eurasische Wildschaf (Ovis ammon) anzusehen, das in vielen Formen über die Gebirgsgegenden Europas und Asiens verbreitet ist. In der Hauptsache dürften die in Zentralasien beheimateten Argali-Wildschafe sowie Wildschafe der westasiatischen Steppen und die westasiatischen-europäischen Mufflons an der Haustierwerdung beteiligt gewesen sein. Das europäische Mufflon (Ovis ammon musimo) wurde wahrscheinlich erst in geschichtlicher Zeit, evtl. sogar als halbdomestiziertes Tier, nach Zypern, Sardinien und Korsika eingeführt. Hier bewohnte es offenere Gebirgslandschaften mit steinigen, trockenen Böden. In Mitteleuropa, wo es eingebürgert wurde, lebt es in Laub- und Mischwäldern. Auch in Afrika wurden zahlreiche Hausschafrassen herausgezüchtet.

Die Stammform der Hausziege, die Bezoarziege (Capra aegagrus), ist von Griechenland über Klein- und Vorderasien verbreitet. Dort bewohnt sie felsige und schluchtenreiche Gebirgsgegenden sowie Halbwüsten mit Wasserstellen und spärlichem Pflanzenwuchs und Strauchwerk. Wildform einiger vorderasiatischer Ziegenrassen scheint die in Turkestan, Afghanistan und Belutschistan beheimatete Schraubenziege (Capra falconeri) zu sein.


zurück zum Inhaltsverzeichnis


Ein Informationsservice der GEH e.V.
Geschäftsstelle (GEH)
© 1994 Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)