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Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter
Haustierrassen e.V. (GEH)
Schwerpunkt - Schafe und Ziegen |
Das Schaf ist nach dem Hund das älteste Haustier des Menschen. Über lange Zeit hinweg - und in einigen Regionen der Welt noch heute - stand es im Mittelpunkt der landwirtschaftlichen Produktion. Es lieferte Milch, Fleisch, Leder, Pergament, Felle und natürlich Wolle. Die Milchproduktion ist in Mitteleuropa nur im östlichen Raum, beginnend in Polen, der Slowakei und in Slowenien traditionell. In Deutschland dominierte die Wollgewinnung, vor allem für den Hausgebrauch. Unter diesen Nutzungsbedingungen entwickelten sich grobwollige, robuste Landrassen, deren Wollen zum Spinnen von Hand geeignet waren. Die aufkommende Wollindustrie mit der Kammspinnerei und die Nachfrage nach feinen Wollstoffen führte zur Einfuhr der Merinoschafe und zum Rückgang der Landrassen.
In unserer Zeit stehen wir nun einem Wertverfall des Naturproduktes Wolle gegenüber und der Schafhalter ist gezwungen, sich auf die Fleischproduktion zu konzentrieren. Die Landschafrassen werden damit von den fleischintensiveren Rassen bedrängt.
Die Geschichte zeigt, welche wirtschaftlichen Umwälzungen über unsere alten Schafrassen hinweggingen und zu ihrem drastischen Rückgang führten. Somit erstaunt es umso mehr, daß trotzdem noch eine solche Vielfalt alter Landrassen in der BRD erhalten blieb und sich sogar heute ein deutlicher Aufwärtstrend zeigt.
Als Ursache für dieses zähe Überleben der alten Landrassen kann man getrost ihre Robustheit und Anpassungsfähigkeit sehen. Sie sind nicht einfach unterzukriegen. Wenn man Genügsamkeit, Langlebigkeit und Produktqualität berücksichtigt, ist ihnen auch die ökonomische Wertigkeit nicht einfach abzusprechen. Und noch ein Vorteil der Spezies Schaf an sich: Schafe sind mit geringem Aufwand zu halten, um nicht benötigtes Grünfutter günstig zu verwerten - sie sind also sowohl die idealen Hobbytiere als auch Landschaftspfleger. Insgesamt kann man also auf eine gute Zukunft für die traditionellen Landschafrassen hoffen.
Die Verhältnisse bei der Spezies Ziege liegen dagegen etwas anders. Als Eisenbahnerkuh war sie schon immer ein Ersatzmilchvieh für Kleinbetriebe unter der Konkurrenz des Rindes. Die Rassenbereinigung im Dritten Reich hat dann der bunten Vielfalt der Landziegen ein Ende gesetzt, so daß sich nur wenige Rassen bis heute erhalten haben. Die Bedeutung der Ziege nimmt eher wieder zu, einerseits aufgrund der besonderen Eigenschaften der Ziegenmilchprodukte, andererseits durch ihre Eignung in der Landschaftspflege zur Verminderung der Verbuschung von Heideflächen und Trockenrasen.
Weltweit gesehen existiert - vor allem in den subtropischen und semiariden Zonen - noch eine große Vielfalt von Rassen, jedoch sind sie zumeist als solche noch gar nicht richtig bekannt oder wissenschaftlich untersucht. Zu unserem Informationsdefizit kommt dann oft das Problem der Schädigung der Nutz- und Naturflächen durch Überweidung und Zerstörung der Baumbestände. Für das Problem der Erhaltung der Ziege an sich und der Vielfalt alter Rassen ist unser Nachbarland Schweiz immer wieder ein Vorbild. Das breite und attraktive Rassenspektrum hat hier eine sehr alte Tradition.
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