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Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter
Haustierrassen e.V. (GEH)
Schwerpunkt - Schafe und Ziegen |
Dr.Gerhard Burkl, Rosenheim und Dr. Christian Mendel, Kranzberg
Das Steinschaf, als historische Ausgangsrasse der bayerischen Schafzucht, ist ein Stück Agrargeschichte des Ostalpenraums. Heute gehört das Steinschaf, das in seiner ursprünglichen, zartgliedrigen Form nur noch in einigen kleinen Restbeständen vorkommt, zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Schafrassen. Während das Steinschaf früher im ganzen Ostalpenraum weit verbreitet war, hängen jetzt die Verbreitungsgebiete der Restpopulationen nicht mehr zusammen, sodaß sich einige phänotypisch kaum unterscheidbare Lokaltypen herausgebildet haben.
Im Gesamtbild erschien das ursprüngliche Steinschaf als kleines, drahtiges, fast zierliches Hochgebirgsschaf, mit sehr dünnen, aber kräftigen Beinen und harten Klauen. Ausgewachsene Schafe hatten ein Gewicht von 28 bis 30 kg. Kennzeichnend war der kleine Kopf mit dem geraden Profil und kurze, spitze, seitwärts abstehende Ohren. In der Regel waren beide Geschlechter behornt, wobei das Horn des männlichen Tieres bedeutend stärker war. Der Schwanz war lang und dünn, das Vlies offen und mischwollig. Das Gesicht, die Innenseite der Schenkel und die Beine ab dem Sprunggelenk waren nicht bewollt. Die Fruchtbarkeitsleistung wird, mit in der Regel zwei Ablammungen pro Jahr und 20 - 70 % Zwillingsgeburten, als überdurchschnittlich beschrieben (Mason 1967).
In der 1993 von der GEH erstellten Zuchtzielbeschreibung wird, entsprechend den alten Rassebeschreibungen, ein robustes, kleines bis mittelgroßes Schaf angestrebt, bei dem alle Wollfarben und Farbzeichnungen auftreten können. Für Mutterschafe wird ein Lebendgewicht von 40 - 50 kg, für Altböcke von 55 - 65 kg angestrebt.
Das Steinschaf stammt, wie das Waldschaf, direkt von dem ausgestorbenen Zaupelschaf ab. Während das Waldschaf in den rauhen Mittelgebirgslagen des Bayerischen Waldes und des Böhmerwaldes sowie dem österreichischen Wald- und Mühlviertel vorkam, entwickelte sich im Laufe der Zeit mit dem Steinschaf eine Rasse, die auch mit den schwierigen Umweltbedingungen im Hochgebirge zurechtkam und ursprünglich im ganzen Ostalpenraum verbreitet war.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam das Steinschaf noch in folgenden Gebieten vor:
In Bayern konnte man es hauptsächlich in Berchtesgaden finden, in großen Teilen der Umgebung Traunsteins und südöstlich von Rosenheim (Kaspar 1928). Früher (1911) berichtet, daß das Steinschaf in Salzburg am stärksten vertreten ist und sich noch in Reinzucht im Oberpinzgau und Teilen des restlichen Pinzgaus sowie in den Arltälern, in Geißau, und teilweise noch im Tennengebirge hält. In Nord- und Osttirol waren bereits damals alle Steinschafe mit Ausnahme des Gebietes der nördlichen Hänge der Kitzbühler Alpen eingekreuzt, und in Kärnten hatte es sich auf den obersten Teil des Mölltals zurückgezogen. In Südtirol war das Steinschaf noch im Obervinschgau, Eisack-, Passeier- und oberen Pustertal beschrieben worden; 1964 war dieser Bestand auf weniger als 1 000 Stück reduziert (Mason 1967).
Dem Steinschaf sehr nahe stehende Rassen konnte man um die Jahrhundertwende in Vorarlberg und der Schweiz noch in Restbeständen vorfinden. Lanzl (1928) beschreibt das damals nur noch vereinzelt in Vorarlberg vorkommende Montafoner Schaf, das dem Typ des Steinschaf entspricht. Auch das im äußersten Nordwesten von Slowenien beschriebene Schaf entspricht überwiegend dem Typ des alten Steinschafs und war früher weiter verbreitet.
Heute ergibt sich für das Steinschaf des alten, ursprünglichen Typs folgende Situation: Vom Montafoner und Krainer Steinschaf existieren noch kleine reinrassige Restbestände. Das Tiroler Steinschaf, früher auch als Grauschaf bezeichnet, ist ein Abkömmling des Steinschafs (Weisheit 1972). In seiner äußeren Erscheinung hat sich das Tiroler Steinschaf durch Einkreuzungen dem Bergschaf angenähert, vor allem die geramste Nase und der wuchtige Körperbau zeigen deutlich diesen Einfluß.
In Nordtirol wurden nur in der Gegend von Schwaz noch kleine Restbestände gefunden, die dem alten, ursprünglichen Steinschaftyp entsprechen. Meist waren auch hier jedoch augenscheinlich die viel schwereren Tiroler Steinschafe des ursprünglichen Typs mehr gefunden werden. Nur noch einige alte Bauern konnten sich an Tiere erinnern, die der Beschreibung entsprachen und anscheinend bis 1950/1960 noch vereinzelt vorkamen.
In Bayern wurden bei einer Vielzahl von Fahrten im Berchtesgadener Land noch Restbestände, bei Garmisch noch einzelne Tiere gefunden, die dem alten Typ entsprechen. Es hat sich 1989/90 eine kleine Zahl von Züchtern zusammengefunden, die versuchen, Tiere des ursprünglichen Typs aufzufinden und in Reinzucht weiterzuzüchten.
Als älteste Rasse des Ostalpenraums ist das Steinschaf von großem kulturellen und züchterischen Wert. Deshalb sollten alle Steinschaftypen, das Tiroler Steinschaf, das Montafoner Schaf, das Krainer Steinschaf und das Steinschaf des alten bayerischen Typs in Reinzucht erhalten bleiben. Ideal dazu wäre es, einige extreme, hochalpine Almen ausschließlich für diese Rasse zu reservieren, damit die hervorragende Leistungsfähigkeit unter schwierigsten Umweltverhältnissen im Hochgebirge nicht verloren geht.
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