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Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter
Haustierrassen e.V. (GEH)
Schwerpunkt - Schafe und Ziegen |
Dr. Christian Mendel, Kranzberg
Bei keiner anderen Haustierart haben wir eine so große Vielfalt an Rassen wie beim Schaf. In Deutschland werden zur Zeit über 30 Rassen züchterisch betreut, hiervon sind 20 einheimische Rassen, die sich in folgende Gruppen einordnen lassen:
Als einheimisch werden hier die Rassen gezählt, die aus den zu Beginn des Jahrhunderts in Deutschland verbreiteten Rassen entstanden sind (siehe Rote Liste). Nicht aufgeführt sind z.B. die Wirtschaftsrassen Texel und Suffolk, weil ihr Ursprung in Holland bzw. England liegt und sie erst in den letzten Jahrzehneten bei uns eingeführt wurden.
Gefährdet sind derzeit 12 Landschafrassen. Zu den nicht gefährdeten Landschafrassen gehören die Graue Gehörnte Heidschnucke und mit gewissem Fragezeichen das Weiße Bergschaf. Das Leineschaf existiert bei uns nur noch als Kreuzungsprodukt, das in den 60-er Jahren in Richtung Fleischrasse umgezüchtet wurde.
Das Ziel der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) ist die Erhaltung der gefährdeten Rassen in lebenden Tierbeständen. Dies beinhaltet, daß sich die GEH vor allem um die akut bedrohten Rassen bemüht. Insgesamt sollen alle gefährdeten Schafrassen in ihrem Fortbestehen gesichert und vermehrt werden. Aber auch die Entwicklung der Bestandszahlen der heutigen Wirtschaftsrassen muß wieder überprüft werden. Die übliche Leistungszucht, die bei den Wirtschaftsrassen angewendet wird, ist bei den gefährdeten Rassen völlig fehl am Platz. Denn bei diesen sollte vor allem auf den Erhalt möglichst vieler Gene geachtet werden.
Außerdem stellt sich die Frage, welche gefährdeten Rassen für welches Gebiet geeignet sind. Hier wird auf die speziellen Umweltverhältnisse hingewiesen. Jahrhundertelang herausgezüchtete Eigenschaften, wie z.B. die Anpassung an die Futter- sowie an die Klimaverhältnisse in den Berg-, Heide- oder Moorgegenden können durch Änderung der Umweltbedingungen in wenigen Jahren verloren gehen.
Unsere gefährdeten Schafrassen sind für folgende Einsatzgebiete gezüchtet worden:
Neben den gefährdeten einheimischen Rassen werden auch drei ausländische Schafrassen, und zwar das Walachenschaf, das Krainer Steinschaf und das Rouge de Roussillon von der GEH betreut. Diese Rassen sind in ihrem jeweiligen Herkunftsland akut vom Aussterben bedroht. Bei uns werden diese Rassen systematisch vermehrt, damit eines Tages die Nachkommen dieser Tiere wieder in die angestammte Heimat zurückkehren können.
Eine für unsere Gesellschaft charakteristische Entwicklung macht auch vor den Schafen nicht halt: Neueinsteiger suchen verstärkt nach möglichst exotischen Rassen, die weder gefährdet , noch von wirtschaftlicher Bedeutung sind, sondern nur durch ihre besondere äußere Erscheinung auffallen und 'in' sind. Somit wird es leider immer schwieriger eine systematische Erhaltungszucht in den ursprünglichen Zuchtgebieten durchzuziehen.
Trotzdem sind im Laufe der letzten 10 Jahre alle gefährdten Schafrassen im Betsand gestiegen. Dies ist eine Beleg für die erfolgreiche Arbeit der GEH. Viele fachliche Fragen sind aber immer wieder zu diskutieren, wie die züchterischen Probleme hinsichtlich Typ, Selektion, Blutauffrischung, Linien und Inzucht. Die Fragen nach Einsatzmöglichkeiten in der Landschaftspflege, Vermarktungsstrategien und Förderungsmöglichkeiten werden noch stärker in den Vordergrund kommen. Nur mit einer vorurteilsfreien Zusammenarbeit zwischen Staat, Zuchtverbänden und GEH, sowie einer langfristig angelegten Konzeption und Förderung läßt sich die in Jahrtausenden entstandene Rassenvielfalt erhalten.
Ein Informationsservice der GEH e.V.
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