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Schwerpunkt - Schafe und Ziegen


Das Rouge de Roussillon - Rotkopfschafe der Pyrenäen


Prof. Dr. Günter Steger, Nürnberg

Das Rouge de Roussillon

Im Symbiotischen Verhältnis des Haustieres Schaf zum Mensch spielen die im subalpinen Bereich gehaltenen Schafe die wichtige Rolle der Bewahrer des hauchdünnen fertilen Erdreiches.

Die in den Pyrenäen heimischen Rouge de Roussillon gehören zu der Gruppe der Fuchsschafe wie die Coburger Füchse oder Goldfüchse neben den als Eifeler, Ardenner, Solognots oder Turnois der Normandie bezeichneten Lokalrassen.

Die von Wilhelm JEPPE 1847 herausgegebene 'Terminologie der Schafzucht und Wollkunde' ist vielleicht die älteste Charakteristik der Pyrenäenschafe: ' Sie ist eine kurze dünnwollige Race mit hängendem spiralig gewelltem Stapel. Die Wellungen gehen von der Wurzel bis zur Spitze. Die Farbe des Vlieses ist gelblich und das Wollfett in derselben Menge vorhanden, wie beim Merino. In der Gegend von Beziers wird eine sehr wertvolle Wolle gewonnen. In Arles wird ebenfalls bedeutende Schafzucht betrieben. Die dortigen, sowie die Schafe der Ebene von Bourg sind Wanderschafe (transhumantes). Im Frühling werden sie aus den Ebenen von Arles und dem Rhone-Delta nach den Alpen getrieben, welche Frankreich von Italien trennen. Die Wanderung beginnt im Mai, und im November kehren die Schafe nach ihren Winterquartieren zurück. Gleichwie in Spanien bestehen auch hier seit undenklichen Zeiten besondere Gesetze, in Bezug auf die Wanderung der Schafe; so ist ihnen z.B. auf den Feldern, welche sie überschreiten, ein Weg von 36 Fuß Breite gestattet. Die Wolle dieser Wanderschafe wird höher geschätzt als die der Bleibenden (estantes).'

Bereits im ausgehenden 17. und 18. Jahrhundert nahmen sich die zahlreichen Kleinfürstentümer Deutschlands der Schafzucht an und importierten neben Merinos auch Pyrenäenschafe.

Fortschreitende Leistungszucht auf Wolle- und Fleischertrag verdrängten die lokalen Landrassen zunehmend.

Mitglieder der 'Europäischen Pioniersiedlungen e.V.' hatten um 1975 von Bergbauern verlassene Höfe übernommen, um die dadurch schaffrei gewordenen Bergweiden vor drohender Verbuschung und Erosion des Bodens zu bewahren. Von ihnen wurde versucht, die Schafhaltung wieder aufzunehmen und fortzuführen. Im Sommer 1979 stellten sie fest, daß die letzte größere Herde des Bergbauern Marty Sauveur, dessen Söhne in andere Berufe übergewechselt waren und er selbst aus Altersgründen aufgeben mußte, verkauft war und sich bereits auf dem Weg zum Schlachthof von Perpignan befand. Die von den 'Pionieren' eingeleitete Rettungsaktion für die Pyrenäenschafe fand Unterstützung von sieben an der Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen interessierten Personen in Bayern, Baden, Hessen, Österreich und Frankreich. Nach wenigen Tagen wurde die Schlachtherde aufgekauft. Sie wurde bei Fauruc bei St. Quillan bis 1981 in einem Sanierungsstall untergebracht, vom Veterinär-Institut Lyon hygienisch betreut und hinsichtlich der Einkreuzung anderer Rassen selektiert. Letztgenanntes Kriterium wurde als Risiko akzeptiert in Anbetracht des übergeordneten Zieles der Rettung einer alten Landschafrasse.

1981 wurden die für den Tiergarten Nürnberg bestimmten Schafe auf dessen Gutsbetrieb Mittelbüg überführt.

Die aus 12 Mutterlinien herleitende Kleinherde wurde durch strenge Selektion der Nachzucht durch großes Engagement und durch züchterischen Blick der Mitarbeiter des Tiergartens Nürnberg zum derzeitigen Bestand von 3,11 adulten und 4,5 juvenilen Rouge de Roussillon gebracht. Der Tiergarten ist bereit, 4,2 Jungtiere an ernsthaft an der Erhaltungszucht Interessierte abzugeben.

Bisher erhielten bereits 5 Einzelhalter mit Interesse an dieser Rasse 5,11 Tiere, von denen sich besonders gut der Zweig im Tierpark Warder, dem Schutzpark für seltene gefährdete Haustierrassen entwickelt hat.

Ein besonderes Anliegen des Tiergartens Nürnberg ist, eines Tages einen Zuchtstamm in dessen ursprüngliche Heimat zurückführen zu können.

Die 12 Mutterlinien und ihre Nachzucht wurden tabellarisch nachgewiesen in einer kleinen Monographie des Berichterstatters, die als Sonderheft der Zeitschrift Tiergarten aktuell 1994 erschienen ist.

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