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Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter
Haustierrassen e.V. (GEH)
Schwerpunkt - Schafe und Ziegen |
S. Grumbach und Dr.W. Zupp, Dummerstorf
In Mecklenburg-Vorpommern wurden jahrhundertelang die Produkte Fleisch, Wolle und Milch grobwolliger Landschafe vorwiegend für den eigenen Bedarf der Schafhalter genutzt. Die Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion führte auch bei Schafen zu einer stärkeren züchterischen Bearbeitung der vorhandenen Landrassen und -schläge. Besondere Anreize dazu gingen nicht zuletzt von der sich stark entwickelnden Textilindustrie aus. Die Nachfrage konzentrierte sich auf Kammgarn und feine Tuchwolle.
Im Vergleich zu den Landschafwollen wurden daher mit der ungleich feineren Wolle der aus Spanien eingeführten Merinos bedeutend höhere Preise erzielt.
Die Durchschnittspreise betrugen im Jahre 1825 für 1 Stein (1 Stein = 10 Pfund) "ganz feine Wolle" 22 Taler, für "halbfeine Wolle" 11 Taler und für "Landwolle" 5,5 Taler. Die großen Unterschiede in der Bezahlung nach Wollqualität führte zu einer umfangreichen züchterischen Bearbeitung und Verbreitung der Merinoschafe in Mecklenburg und Pommern. Gerade die materiell besser ausgerüsteten Gutsschäfereien konnten mit Umstellung ihrer Zuchtherden entsprechend darauf reagieren.
Aus diesen Veränderungen erwuchsen den Landschafrassen nach einer bereits erfolgten Verdrängung durch das schlichtwollige Schaf abermals eine beachtliche Konkurrenz. Von diesem Prozeß war auch das in den Küstenregionen Mecklenburgs, Pommerns und Ostpreußens vorkommende Rauhwollige Pommersche Landschaf betroffen.
Durch damals bereits gewissenhaft dokumentierte Viehzählungen wird ihre zunehmende Verdrängung durch edlere Rassen belegt. In weiter von der Küste entfernten Gebieten kam es bald nicht mehr vor.
Eine Besonderheit in der Vergangenheit war es, daß die Rauwolligen Pommerschen Landschafe selten in größeren Beständen gehalten wurden. Vielmehr stellten sie eine nützliche Ergänzung in der kleinbäuerlichen Wirtschaft der Büdner dar. Sie waren also Pfennigsucher im ureigensten Sinn. Wolle und Fleisch standen den Menschen für ihren Eigenbedarf zur Verfügung, und der anfallende Dünger wurde zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit eingesetzt. Fischer schätzten die grobe, graublaue Wolle dieses Tieres, aus der sich so zweckmäßige wind- und wetterabweisende Textilien herstellen ließen.
Auch heute ist das vermutlich aus der Kreuzung zwischen dem Zaupelschaf und dem Hannoverschen Schaf hervorgegangene Landschaf, ähnlich wie das Ostfriesische Milchschaf, eher für eine Einzelhaltung und eine Haltung in kleineren Gruppen geeignet.
Ein erneuter züchterischer Eingriff zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit dieser Rasse erfolgte durch die Einkreuzung von englischen Fleischschafrassen zu Beginn dieses Jahrhunderts. Dies führte zu einem Rückgang des Bestandes dieser Rasse und zugleich zu einer stärkeren Lokalisation dieser Vierbeiner auf jene Gebiete, die witterungsbedingt und hinsichtlich der Futtergrundlage den bodenständigen Rauhwollern gegenüber anderen Rassen entgegen kamen.
Mangelndes Wissen über die Wechselwirkung zwischen Genotyp und Umwelt hatte allerdings zur Folge, daß sich der gewünschte tierzüchterische Erfolg durch den Einfluß der Fleischschafe nicht einstellte. Die Umweltbedingungen wurden dabei zu wenig berücksichtigt.
Der ausgeprägten Fähigkeit des Rauhwolligen Landschafes, aus kargem Futterangebot bei ungünstigen Haltungsbedingungen Wolle und Fleisch zu produzieren, erinnerten sich die Menschen immer dann, wenn Notzeiten die Nutzung kleinster Reserven notwendig machten. So auch nach dem Zweiten Weltkrieg, als es zu einem regelrechten Aufschwung in der Rauhwollerzucht kam. Waren es im Jahre 1936 ungefähr 70 200 Rauhwollige Landschafe, die sich auch am Rand von Städten gut tüdern und pferchen ließen, so belief sich der Tierbestand dieser Rasse Anfang der 50er Jahre auf rund 110 000 Schafe - das waren 37 % des Gesamtschafbestandes in Mecklenburg-Vorpommern - ehe diese Rassenverbreitung mit der Stabilisierung der Landwirtschaft wieder zum Erliegen kam. Die in den Jahrzehnten darauf zunehmende Großfelderwirtschaft und die Favorisierung leistungsstarker Nutztierrassen machten die rauhwolligen Tiere zu einer in ihrer Existenz bedrohten Kulturrasse. Für die sich anschließende Entwicklung können keine verläßlichen Zahlenangaben gemacht werden.
Eine organisierte Zuchtarbeit und Registrierung dieser vierbeinigen Landschaftspfleger erfolgte erst wieder zu Beginn der 80er, zu einem Zeitpunkt, als eine UNO-Resolution zum Schutz bedrohter Kulturrassen den Erhaltung und Fortbestand dieser für den Norden typischen Schafrasse forderte. So ist es dann auch nicht verwunderlich, daß sich auf den Inseln Rügen, Hiddensee und Ummanz das Nachzuchtgebiet konzentrierte. Hier waren es vor allem engagierte und passionierte Züchter, denen es zu verdanken ist, daß noch heute die in ihrer Wollfarbe stark variierenden Landschafe als graue bis stahlblaube Farbtupfer für eine Auflockerung des Landschaftsbildes sorgen.
Nach erfolgter Sichtung der noch verbliebenen Tiere durch interessierte Tierzüchter begann 1982 der Aufbau der Genreserve mit sieben Böcken und 46 Mutterschafen. Bei der Klassifizierung dieser Tiere wurde insbesondere auf den Wollcharakter, den Kopf, eine dunkle Zunge und eine gute Entwicklung geachtet.
Das Rauhwollige Landschaf ist ein mittelrahmiges mischwolliges Tier. Kopf und Gliedmaßen setzen sich schwarz vom Körper ab. Früher hütete der Schäfer die Schafe in der freien Landschaft. Für diese Art der Haltung brachten auch die Rauhwoller die notwendigen Voraussetzungen mit. Zum einen waren es lange, trockene Gliedmaßen für einen raumgreifenden Schritt, harte, gegen Erkrankungen resistente Klauen sowie ein nicht zu hohes Körpergewicht. Darüber hinaus zeigen diese Tiere eine ausgezeichnete Resistenz gegen den Befall mit Endoparasiten.
Grundlage für eine erfolgreiche Reetablierung der Rasse im Ursprungsgebiet war die niveauvolle Zuchtarbeit, die eine gute Zusammenarbeit zwischen den Züchtern, den Verantwortlichen der Tierzucht und dem Gut auf Ummanz voraussetzte. So lagen Leistungsprüfung und Körung in der Hand sachverständiger Züchter.
Dennoch ist die Sicherung der in ihrem Bestand gefährdeten Rasse nach mittlerweile 10 Jahren zum Teil sehr intensiver Zuchtarbeit nicht abgeschlossen.
Die mit der Umstrukturierung der Landwirtschaft verbundenen starken Rückgänge der Tierbestände machten sich auch in den Schafherden Mecklenburg-Vorpommers bemerkbar. Bei den Rauhwollern ist zum Glück ein Bestandsrückgang nicht eingetreten. Hier steht aber die Frage nach Umfang und Effizienz der Rasse unter den martkwirtschaftlichen Bedingungen.
Dieser Problematik bewußt, bekräftigte im Frühjahr 1992 die Umweltministerin Mecklenburg-Vorpommerns gegenüber den Schafzüchtern, daß der Landschaftspflege mit Schafen eine steigende Bedeutung zukommt und zunehmend die Pflegeleistung zu vergüten ist. Im Zusammenhang mit dem Programm zur umweltgerechten Grünlandnutzung gilt es nun, dieses Vorhaben zunehmend in die Tat umzusetzen.
Eine direkte finanzielle Förderung zum Erhalt der Rauhwolligen Pommerschen Landschafe erfolgt zur Zeit leider nur über den Landesschafzuchtverband durch Fördermittel aus dem Landwirtschaftsministerium. Das ist für den Aufbau eines gesicherten Rassebestandes nicht ausreichend. Auch wenn ein großer Idealismus bei den Rauhwollzüchtern vorausgesetzt werden kann, ohne eine Anerkennung der Pflegeleistung ist eine Erhaltung der Rasse schwer denkbar.
Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart zahlten sich die enge Verbundenheit der zum großen Teil im "Zuchtverein für Rauhwollige Pommersche Landschafe" e. V. tätigen Züchter zum Tier, der engagierte Einsatz zum Fortbestand der Rasse sowie die Pflege von Familientraditionen aus, ein Aussterben dieser Kulturrasse zu verhindern.
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