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Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter
Haustierrassen e.V. (GEH)
Schwerpunkt - Schafe und Ziegen |
Dr. Reiner Seibold, Obermarchenbach
Bekanntermaßen war das Steinschaf einst über den gesamten Alpenraum weitverbreitet. In den überwiegenden Regionen Österreichs, der Schweiz und der Bayerischen Alpen wurden die ursprünglichen Bestände dann bereits von der Jahrhundertwende ab mit Bergamaskerschafen durchkreuzt. Heute sind reinrassige Steinschafe ohne Bergamaskerblutanteil ausschließlich in den slowenischen Alpen zu finden. In diesem abgelegenen Bereich im Norden Sloweniens konnten sich im Gebiet des Triglav-Nationalparks sowie in der Region Trenta ca. 250 Mutterschafe in einem Reinbestand erhalten.
In den angrenzenden Regionen der julischen Alpen und am Mont Mangart wurden inzwischen bereits umfangreiche Einkreuzungen mit dem Ostfriesischen Milchschaf durchgeführt, so daß hier nur noch mit einem 50 Prozent Blutanteil des Steinschafs zu rechnen ist. Im Bereich des Gebirgsmassivs des Triglav entspringt der Fluß Soca und windet sich durch ein von steil aufregenden Felshängen eng begrenztes Tal Richtung Süden. Unmittelbar am Fuß des Triglavs liegt die Ortschaft Trenta. Sie besteht aus einer großen Anzahl verstreut liegender Einzelgehöfte, die auf schmalen Grasterrassen zwischen Fluß und Berghang gelegen sind. Die Bauform der alten Bauernhäuser entspricht im wesentlichen dem Baustil des alten Unterkärntens. Die Häuser sind durch abgewalmte Bretterdächer, sogenannte Buschendächer, charakterisiert. Die dünne Humusauflage der schmalen Terrassenflächen ermöglicht nur einen dünnen Grasbewuchs. Diese mageren Alpenmatten erlauben den Besitzern meist keine Rinderhaltung. Nur wenig Bauern dieses Gebietes besitzen ein bis zwei Kühe. Die Ziegenhaltung wurde aufgrund der Waldschädigung von staatswegen bereits vor längeren Jahren verboten. Die Bevölkerung ist damit auf die Milchnutzung von Schafen angewiesen.
Die Steinschafe stellen die hier angestammte alte Rasse dar, und sie werden schon seit vielen Generationen traditionell der Milchgewinnung und Käseproduktion zugeführt. Die Wolle wird für den Hausbedarf genutzt, die Schlachtlämmer werden vor allem an Hotels im Rahmen des Fremdenverkehrs abgegeben. Das slowenische Steinschaf stellt noch den ursprünglichen Typ des Zaupelschafes dar. Die Tiere besitzen noch überwiegend Mischwolle bei sehr feingliedriger Gestalt mit Körpergewichten zwischen 35 und 40 kg. Die Böcke tragen meist nur Hornstummeln oder sind ungehörnt. Wohl im Zusammenhang mit der Milchnutzung werden gehörnte Tiere gezielt aus der Zucht genommen.
Die Farbe der Tiere ist bunt, neben weißen Schafen kommen zu ca. 30 % schwarzbraune und zu 20 % gefleckte Tiere vor. Der Jahresablauf der Schafhaltung unterliegt in diesem Gebiet einem sehr strengen Rhythmus. Die Böcke werden getrennt gehalten und kommen nur in der Zeit von Mitte November bis Anfang Dezember zur Herde.
Die Tiere verbringen die Monate November bis April ausschließlich im Stall. Mitte April erfolgt dann die Lammung in einer sehr kurzen Ablammperiode. Die nur einmalige Zulassung der Tiere ist Voraussetzung für die Milchnutzung. Die Lämmer werden bereits am dritten Lebenstag von der Mutter abgesetzt und kommen in einen gesonderten Stall. Dort wird von Anfang an Hafer und Sojaschrot gefüttert, und dreimal täglich werden dann die Mutterschafe, die den Tag über auf der Weide in der Nähe des Gehöftes verbringen, zu den Lämmern gelassen. Die Mutterschafe kommen abends und während der Nacht in einen gesonderten Stall mit Heuzufütterung. Als Einstreu wird ausschließlich Laub verwendet.
Die Lämmer erhalten in dieser Weise dreimal täglich Muttermilch bis etwa 20. Juni. Danach erfolgt der Almauftrieb. Zur Sömmerung auf der Alm gelangen ausschließlich laktierende Mutterschafe. Das Melken der Mutterschafe beginnt Anfang Juni noch im Stall des Gehöftes durch den Besitzer und wird dann nach dem Almauftrieb am Berg fortgesetzt.
Hier arbeiten fünf Personen zusammen, ein Hirte, der die Herde tagsüber betreut, und vier weitere Männer, die zweimal täglich die Herde von 250 Mutterschafen von Hand melken. Die gesamt Milch wird zu Weichkäse verarbeitet.
Die Zeit des Almauftriebes entspricht dem Beginn des dritten Laktationsmonates. In dieser Zeit liefern die Tiere pro Kopf ca. 1,5 kg Milch pro Melkvorgang. Die Lakatationsdauer beträgt insgesamt 5 Monate. Die Lämmer erhalten ab Mitte Juni weiterhin Kraftfutter zusätzlich zur Weidemast.
Das Ausmästen der Lämmer auf der Weide ab Juli erfolgt dann auf kleineren Weideflächen in der Nähe des Gehöfts. Die Böcke verbleiben grundsätzlich das ganze Jahr über in Stallnähe. Die Schlachtung der Lämmer erfolgt während des Sommers in der Touristensaison. Die Zuwachsraten liegen bei ca. 200 g täglich, je nach Zufütterung. Anfang Oktober kehren dann die Mutterschafe von der Alm zum Gehöft zurück und gehen zur Nachweide auf die Mähwiesen. Die Heugewinnung erfolgt im Talbereich in Gehöftnähe. Die Winterfütterung besteht ausschließlich aus Heu für die Mutterschafe. Kraftfutter steht auch für trächtige Mutterschafe nicht zur Verfügung.
Der Bestand des Steinschafs in der Trenta ist bisher ohne jede Einkreuzung geblieben. Trotzdem die Mutterschafe zusammen auf eine Alm gehen, ist dennoch die Reinrassigkeit der Rasse gewährleistet, da keine Böcke mit auf die Alm dürfen. Die Belegung erfolgt ausschließlich in den einzelnen Gruppen im Stall am Hof. Die ca. 15 - 20 Steinschafhalter im Gebiet des Triglavs setzten bisher ausschließlich reinrassige Steinschafböcke ein. Der Schafzuchtverband Sloweniens hat die Besonderheit dieses rein erhaltenen Steinschafbestandes erkannt.
Es wird ein Förderungsprogramm angestrebt, das die Bauern der Trenta bei der Reinzucht des Steinschafs unterstützen soll. Es bleibt zu hoffen, daß hier eine Finanzierungsmöglichkeit zu finden ist.
Beeindruckend an diesem Bestand des slowenischen Steinschafes ist nicht nur die Usprünglichkeit und Reinrassigkeit der Tiere, sondern auch die kulturelle Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrer Schafrasse. Hier handelt es sich um eine echte lebendige bäuerliche Tradition, um ein Stück ländlicher Kultur Mitteleuropas.
Die Bevölkerung dieser Region ist auf ihre Schafe angewiesen. Die Milchleistung ist absolut gesehen mit der des ostfriesischen Milchschafes sicherlich nicht vergleichbar, jedoch sind die äußeren Umstände, die Umweltbedingungen, die Sömmerung auf Almen bis auf 2 000 m Meereshöhe sowie das Fehlen jeglichen Kraftfutters in Rechnung zu stellen.
Die Wiesen liefern nur wenig Ertrag. Die Milchleistung der Tiere ist auch in bezug auf die Kleinrahmigkeit dieser Rasse zu sehen. Es handelt sich hier um eine echte wertvolle Genreserve in bäuerlicher Hand. Dies wäre ein Idealmodell für die Erhaltung alter Haustierrassen. Das slowenische Steinschaf ist im Triglav-Gebiet nicht gefährdet, solange diese traditionelle Nutzungs- und Haltungsweise erhalten bleiben kann.
Das slowenische Steinschaf zählt zusammen mit dem ungarischen Ziktaschaf und dem böhmischen und bayerischen Waldschaf zu den ursprünglichsten Restbeständen des Zaupelschafes. Alle diese genannten Populationen liegen im Gebiet der sogenannten Donauländerallianz für Genreserven mit ihrem Sitz in Wien. Vielleicht ist es in Zukunft möglich, die Erhaltung dieser Bestände auf internationaler Ebene durch ein Projekt der SAVE zu fördern.
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