GEH-Logo klein Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)

Schwerpunkt - Rinder


Das Vorderwälder Rind


Antje Feldmann, Witzenhausen

Das Vorderwälder Rind

Als 'Wäldervieh' wurden die beiden Rinderrassen des Schwarzwaldes bekannt. Die Population der Hinterwälder kommt verstärkter in den steilen, hängigen Regionen des Südschwarzwaldes vor. Die Vorderwälder verkörpern den etwas kräftigeren Typ des Wälderviehs und sind in den mittleren Regionen des Schwarzwaldes verbreitet. Erste Hinweise für die Schwarzwälder Rinder stammen aus dem 1544 erschienenen Buch 'Cosmographia Universalis', in dem die hervorragende Fleischqualität geschätzt wird.

Die Vorderwälder Kuh war früher vor allem als Milchtier geschätzt. Als Arbeitstiere wurden vor allem die jungen Ochsen im Alter von 1 3/4 bis höchstens drei Jahren, die Färsen und nur sehr selten die Kühe angespannt. 'Die Stiere sind gute Arbeiter; sie finden nicht allein in der Landwirtschaft, sondern auch zum Abfahren von Holz Verwendung. Da die Klauen auch auf den steinigen Wegen äußerst widerstandsfähig sind, ist der Beschlag nicht üblich.'

Eine wichtige Einnahmequelle der Bauern war damals die Aufzucht von Bullen, die als junge Arbeitstiere auf die Märkte in Freiburg, Emmendingen, Haslach und Offenburg verkauft wurden.

In dem Buch 'Das Deutsche Rind von H. Lydtin 1899 wird lobend erwähnt, daß sich durch den Aufbau der Vorderwälder Stammzuchtstation im Frühjahr 1897 die Erhaltung dieser Rinderrasse deutlich verbessert. 'Es ist zu hoffen, daß diesen Maßnahmen die Erhaltung des tüchtigen, für den Schwarzwald fast unentbehrlichen Vorderwälder Viehschlages gelingen wird.' Der Trend hin zu den größeren Rassen wie Simmentalern wurde bereits in einer Viehzählung von 1925 verdeutlicht, als es fast keine reinrassigen Vorderwälder mehr gab. Es überwogen Tiere mit Fleckvieheinkreuzung. Eine weitere Einkreuzung wurde vom Zuchtverband für Fleckvieh und Wäldervieh im Jahr 1967 begonnen. Die Vorderwälder Rasse sollte sich vom Typ her nicht wesentlich verändern, jedoch in den Bereichen Milchmenge, Euterausbildung, Melkbarkeit, Schwanzansatz und Beckenform eine Veränderung erfahren. Es wurden Bullen der Rasse Ayrshire gezielt angepaart, Ende der 70er Jahre kamen Einkreuzungen mit Red-Holstein dazu. Von neuerlichen Einkreuzungen wurde abgesehen.

Die Zuchtpopulation umfaßt heute 42000 Tiere mit 15000 Kühen, 47% der Kühe werden künstlich besamt.

Die Milchleistung liegt bei 5000 kg mit 4,0% Fett und 3,65% Eiweiß. Die tägliche Zunahme der Jungbullen liegt in Mastbetrieben bei 1 100g. Die durchschnittliche Kälberleistung liegt in der Größenordnung von 7 Kälbern.

Die Widerristhöhe ausgewachsener Kühe beträgt bei 600 kg Lebendgewicht 135 cm, Bullen erreichen bei 1050 kg Lebendgewicht 150 cm.

Das Zuchtziel der Vorderwälder orientiert sich an einem für die Verhältnisse im Schwarzwald angepaßtem Zweinutzungsrind. Über das MEKA-Programm wird Züchtern der Rasse Vorderwälder eine Aufzuchtprämie gewährt.

 

Fenster schließen



© 1994 Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)