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Schwerpunkt - Rinder


Das Deutsche Shorthornrind


Lorenz Carstensen, Ipernstedt

Das Deutsche Shorthornrind

Zuchtgeschichte

Die Shorthorns sind als die älteste Kultur- oder Zuchtrasse der Welt anzusehen. Die ersten Herdbücher in England, aber auch in Deutschland wurden für Shorthornrinder geführt. Die Gebrüder Collins betrieben die erste planmäßige Rinderzucht mit In- und Inzestzucht und Leistungsprüfungen.

Die Grundlagen der Shorthornzucht in Schleswig-Holstein wurden um 1840 geschaffen. Um Qualitätsvieh für den wachsenden Export nach England zu erhalten, wurden zuerst Bullen für Kreuzungszwecke, später auch weibliches Vieh importiert. Es kam zur Gründung von Ortsvereinen für die Shorthornzucht und 1886 wurde die "Gesellschaft Deutscher Shorthornzüchter" ins Leben gerufen, die z.B. 1918 schon 3298 Mitglieder mit knapp 10 000 eingetragenen Kühen hatte. 1937 standen 29230 Kühe unter Milchkontrolle mit einer Leistung von 2787 kg Milch mit 3,38% Fett.

Da nach dem Zweiten Weltkrieg der Milchleistung in der Rinderzucht der Vorrang vor der Fleischleistung eingeräumt wurde, wurden die Shorthorns durch Schwarz- und Rotbunte verdrängt. Zudem kam es noch zur Trennung in Shorthorn und Fleischshorthorn. 1970, dem letzten Jahr, in dem die Rasse noch als eigenständig im Geschäftsbericht des Landeskontrollverbandes Schleswig-Holstein aufgeführt wurde, zählte man noch 41 Shorthorn- und 4 Fleischshorthornkühe unter Milchkontrolle. Die Milchshorthorn gingen im Rotbuntzuchtverband auf, während die Fleischshorthornhalter den "Verband Schleswig Holsteinischer Fleischshorthornzüchter" gründeten. Heute bilden sie zusammen mit Züchtern anderer Fleischrinderrassen den "Verband Schleswig Holsteinischer Fleischrinderzüchter".

Derzeitige Situation

Der derzeitige Bestand umfaßt an Zuchttieren 21 gekörte Bullen und 118 Kühe. Die Tiere befinden sich in vielen kleinen Herden bei Hobbyzüchtern. Nur in drei Herden stehen mehr als 20 Herdbuchkühe. Positiv ist zu bewerten, daß sich unter den 118 HB-Kühen 37 Erstkalbskühe befinden, die die Voraussetzungen für den Zuschuß des Landes Schleswig-Holstein in Höhe von DM 200,- zur Förderung der Shorthornzucht erfüllen, d.h. sie haben ein reinrassiges Kalb zur Welt gebracht. Außerdem sind im Herdbuch zur Zeit 116 weibliche Jungrinder registriert.

Seit Beginn der Shorthornzucht vor 150 Jahren wurden immer wieder Tiere aus England in die heimische Population eingekreuzt, um die Zuchtbasis zu erweitern. Aber auch im Ursprungsland gehen die Bestände stark zurück, sodaß die Rasse nun vom "Rare Breed Survival Trust" betreut wird.

Ein Züchter hat 1994 eine größere Partie Shorthorns aus Kanada importiert. Diese Tiere verkörpern einen ganz anderen Typ als die Deutschen Shorthorn, sodaß man mit der Hereinnahme in die deutsche bzw. europäische Erhaltungszucht vorsichtig sein sollte. Es bietet sich eher eine Zusammenarbeit mit der kleinen dänischen Zucht an.

Rassemerkmale und Zuchtziel

Bei den Shorthorn handelt es sich um ein mittelrahmiges Fleischrind. Die Widerristhöhe beträgt beim Bullen ca. 140 cm, bei der Kuh 130 cm. Das Gewicht liegt bei 700 - 900 kg bzw. 500 - 600 kg. Die Farbskala reicht von rot, rotbunt bis weiß. Eine Besonderheit ist die Schimmelfarbe (engl. roan), bei der die roten Farbpartien von weißen Stichelhaaren durchsetzt sind. Ursprünglich waren in der deutschen Shorthornzucht nur behornte Tiere vorhanden. Bedingt durch die Hereinnahme von schottischem Blut steigt der Anteil hornloser Rinder.

Die Shorthorn haben alle Vorteile, aber auch Nachteile von klein- und mittelrahmigen Fleischrinderrassen. Sie sind sehr leichtfüttrig, die kleinen, sehr vitalen Kälber werden leicht geboren und die Fleischqualität ist hervorragend. Ein Nachteil ist die Neigung zum Verfetten. Die Rasse ist sehr gut für die Robustrinderhaltung geeignet.

Das Shorthorn ist eine Rinderrasse mit vielen guten Eigenschaften, attraktivem Aussehen und einer langen Geschichte. Sie ist es wert, erhalten zu werden.

 

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