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Schwerpunkt - Rinder


Das Schwarzbunte Niederungsrind

Original Schwarzbunte ohne Holstein-Friesian-Blutanteil


Hans-Jürgen Euler, Schwalmtal-Rainrod

Das Schwarzbunte Rind gehört zu den Niederungsrassen. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Schleswig bis in die Mittelgebirge von Hessen und Rheinland Pfalz, sowie vom Niederrhein bis Ostpreußen.

Das Schwarzbunte Niederungsrind

Zuchtgeschichte

Gezüchtet wurde dieses Rind in den Nordseemarschen Frieslands. Trotz der staatlichen Trennung von West- (Holland) und Ostfriesland (Deutschland) bestand zwischen diesen Regionen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein reger Zuchtviehaustausch. Beide Rinderpopulationen waren phänotypisch ähnlich und genotypisch sehr nahe verwandt. Farblich stellten damals schwarz-weiße Tiere die Mehrzahl.

Ab 1850 erfolgte in immer stärkerem Maße die Einkreuzung von Shorthorns in Deutsche Landrinderschläge. Da man allerdings in Ostfriesland und im angrenzenden Jeverland schon sehr früh auf die Milchleistung geachtet hatte, stand man den Shorthorneinkreuzungen meist skeptisch gegenüber. So kamen dort nur wenige Shorthornbullen zum Einsatz und die Nachkommen spielten in der Zucht keine Rolle.

Im übrigen nord- und mitteldeutschen Flachland sank jedoch die Milchleistung aufgrund des immer stärker werdenden Shorthorneinflusses stark ab. Daher begann um 1870 in diesen Regionen die Einfuhr von Schwarzbunten. 1876 wurde in Fischbeck in Sachsen-Anhalt das erste Herdbucch gegründet. Es ist wohl das erste Herdbuch in Deutschland überhaupt gewesen. Kurze Zeit später (1878) wurden der Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter und das Jeverländer Herdbuch gegründet. Bis 1900 bestanden praktisch im ganzen nord- und mitteldeutschen Flachland und den angrenzenden Mittelgebirgen Herdbücher.

Immer wieder wurden in andere Regionen Zuchttiere verkauft. Daher ging die gesamte Schwarzbuntpopulation auf Ostfrisische Blutlinien zurück. Der Einfluß englischer Rinderrassen verschwand immer mehr.

Der Zuchttieraustausch mit Westfriesland ging Ende des 19. Jahrhunderts stark zurück und wurde erst nach 1950 wieder ausgedehnt.

Entwicklung der Rasse nach 1900

Welche starke Verbreitung die Rasse erlangte wird aus den beiden folgenden Tabellen deutlich:

 

Tab. 1: Anteil Schwarzbunte am Gesamtrinderbestand des deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 (Quelle: Comberg)
Jahr Anzahl Schwarzbunte Anteil am Gesamtrinderbestand
1896 4 480 080 28,8%
1906 5 464 084 32,7%
1936 9 202 320 48,7%

 

Tab. 2: Anteil Schwarzbunter Rinder in den alten Bundesländern (Quelle: Comberg)
Jahr Anzahl Schwarzbunte Anteil am Gesamtrinderbestand
1896 1 586 631 16,2%
1906 2 355 028 22,7%
1936 3 653 798 31,4%
1973 5 721 131 39,8

Ab 1965 begann man in den alten Bundesländern mit der Einkreuzung von Holstein Frsian aus Nordamerika. Diese Tiere waren im 19. Jahrhundert von europäischen Einwanderern dorthin gebraccht worden. Allerdings wurden diese Tiere in Nordamerika zu einem Einnutzungsrind (Milch) gezüchtet, während die Deutschen Schwarzbunten immer Zweinutzungsrinder (Milch und Fleisch) waren. Neuere Untersuchungen haben bewiesen, daß genetische Unterschiede bestehen. Zudem sind die HF-freien Tiere kleiner. Die Einkreuzungen wurden so intensiv durchgeführt, daß 1989 nur noch ca. 500 reinrassige Tiere (ohne HF Einkreuzung) übrig waren. Zudem gab es auch nur noch wenige Tiere mit geringen HF- Anteilen. Aus diesem Grunde wurde der Verein zur Erhaltung und Förderung des alten schwarzbunten Niederungsrindes gegründet.

In der ehem. DDR waren 1970 von 2 Mio. Kühen 90% Schwarzbunte. Ab 1970 wurden Kühe mit Jersey und Holstein Frisian in einer Dreirassenkreuzung zum SMR (Schwarzbuntes Milchrind) gekreuzt.

Von den 2 Mio. Kühen blieben nur noch ca. 3500 Tiere für die Erstellung neuer Ausgangslinien.

Dadurch, daß ab Ende der 50er Jahre mit dem Bestand in den alten Bundesländern fast kein Blutaustausch mehr erfolgte, haben sich auch hier kleine genetische Unterschiede herausgebildet.

Eigenschaften der Schwarzbunten ohne HF

Derzeitiger Stand

Von den 4000 Kühen in der ehem. DDR sind noch 2500 verblieben

In den alten Bundesländern schieden leider nach 1989 noch viele Kühe wegen ihres hohen Alters aus der Zucht aus. Der Bestand hat sich mittlerweile bei 300 Kühen konsolidiert. Die Anzahl der eingestellten Färsen hat sich erhöht. Auch sind einige Tiere mit HF-Anteilen rückgekreuzt worden. Es werden aber noch erhebliche Anstrengungen nötig sein, um die Rasse vor dem Aussterben zu bewahren.

 

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