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Schwerpunkt - Rinder


Das Murnau-Werdenfelser Rind


Karola Stier, Witzenhausen

Das Murnau-Werdenfelser Rind

Das Murnau-Werdenfelser Rind ( auch: "Oberländer", "Murnauer" oder "Rote" genannt) ist eine Rasse, die sich durch eine große Form- und Farbenvielfalt auszeichnet. Durch zahlreiche Einkreuzungen von Schweizer- und Allgäuer Braunvieh, Graubündener- und Oberinntaler Grauvieh, Mürztaler Murbodener und Ellinger Vieh bis in die vierziger Jahre ist eine relativ uneinheitliche Rasse entstanden, die jedoch spätestens seit dem zweiten Weltkrieg in Reinzucht vermehrt wurde. In letzter Zeit ist das milchbetonte Zweinutzungsrind vermehrt von Kreuzungen mit anderen Rassen (Braunvieh, Gelbvieh und Fleckvieh), vor allem aber von der Einkreuzung des französischen Tarentaise-Rind in die Reinzuchtpopulation gefährdet.

Geschichtliche Entwicklung

Ursprungsgebiet ist der Landkreis Garmisch und das Werdenfelser Land, hier entstand ein Rind mit braungelber Farbe, zum Teil mit Tönungen von rotbraun bis strohgelb oder sandfarben. Bestandszahlen der damaligen Dreinutzungsrasse gingen stetig zurück, 1896 gab es noch etwa 62 000 Tiere, bis 1936 ging sie auf nur noch 23 000 zurück.

Auch nach dem zweiten Weltkrieg waren die Tierzahlen von einer stetigen Abwärtsentwicklung betroffen. Dies hing, neben dem Rückgang durch die Brucellose und Tuberkulose-Bekämpfung in den 50er bzw. 60 Jahren, auch davon ab, daß sich viele Züchter den "moderneren" Rassen wie Fleckvieh oder Braunvieh zuwandten. Der Zuchtverband, der die drei Rassen betreute, vernachlässigte die Murnau-Werdenfelser Rasse mehr und mehr, riet dem Züchtern eher zum Wechseln der Rasse und verbot schließlich die Teilnahme von Murnauer Bullen an Zuchtviehauktionen.

Derzeitiger Stand der Murnau-Werdenfelser Rasse

Erst Anfang der siebziger Jahre begann sich von seiten des Landwirtschaftsministeriums erneut Interesse am Murnau-Werdenfelser Rind zu regen. Es wurde in der Tierzuchtanstalt in Grub eine Genreserve in Form von einer Mutterkuhherde und Spermabanken geschaffen. Vor allem die Aktivitäten des damaligen GEH-Rinderkoordinators Klaus Schedel, der sich intensiv um diese Rasse bemühte, brachten einen genauen Überblick über die noch vorhandene Populationsgröße und -verteilung und ermöglichten erst eine gezielte Koordination zur längerfristigen Erhaltung des Murnau-Werdenfelser Rindes. Seit Anfang der Achtziger Jahre existiert in Bayern eine Haltungsprämie für die Murnauer.

Der weit größte Teil der Murnau-Werdenfelser Rinder wird noch in seinem ursprünglichen Zuchtgebiet gehalten.Von 1970 bis 1975 ging dort die Anzahl der reinen Murnauer-Züchter von 60 auf sechs zurück. Dort werden heute die meisten der Tiere nicht mehr von Landwirten gehalten, die ausschließlich Murnauer züchten, sondern in kleiner Anzahl in Betrieben mit Braun- oder Fleckviehherden. Heute gibt es 17 organisierte Zuchtbetriebe, 29 Nicht-Herdbuchbetriebe, drei Züchter außerhalb des Zuchtgebietes, neben einigen Herden auf staatlichen Versuchsgütern oder Zoos. Rund 500 Kühe, davon 129 Herdbuchkühe werden insgesamt gehalten, nach relativ konstante Bestandszahlen in den letzten 15 Jahren, zeichnet sich heute eine steigende Tendenz ab.

Die momentane staatliche Förderung in Bayern umfaßt Haltungsverträge mit Betrieben über 10 Jahre (175,-DM/Kuh und Jahr), Aufzuchtprämien (100,-DM bzw. 300,-DM/Jungkuh), Zuschüsse zu den Kosten der Milchleistungsprüfung, Lagerung von Sperma und Embryonen und die Förderung der Haltung in staatlichen Betrieben.

Besonderheiten der Rasse

Das Murnau-Werdenfelser Rind ist die einzige deutsche Rasse, die an Moor- und Sumpflandschaften gut angepaßt ist. Aufgrund ihrer Entstehung in den Niederungen des Murnauer Moors, ist sie auf feuchten Standorten anderen Rinderrassen meist überlegen. Aber auch auf steilem Gelände ist diese Rasse geeignet: die vielseitige Landschaft mit einem rauhen Klima, hohen Niederschlagsmengen, hügeligen Feldern und steilem Almen prägte diese Rasse bei ihrer Entstehung.

Das Murnau-Werdenfelser Rind zeichnet sich besonders durch eine hohe Langlebigkeit aus, das Durchschnittsalter liegt im Vergleich zu den anderen bayerischen Rassen mit 7,1 Jahren mit Abstand am höchsten. Besonders hervorzuheben ist ihr Vitalität und die harte Klaue, die Voraussetzung für eine lange Nutzungsdauer auf schwierigen Standorten ist.

Auch ihre hohe Fruchtbarkeit ist bemerkenswert, so sind Kühe mit zehn und mehr Kälbern, die in der Regel ohne Probleme geboren werden, keine Seltenheit.

Die durchschnittliche Milchleistung der Murnau Werdenfelser Kuh liegt heute bei ca. 4000 kg Milch mit einem Fettgehalt von 3,75% und 3,35% Eiweißgehalt, sie kann ausschließlich aus dem Grundfutter erzielt werden. Leistungen von 6000 bis über 8000kg Milch sind keine Seltenheit. Die Mastleistung von Bullen kann bis zu 1300g erreichen.

Murnau-Werdenfelser Kühe erreichen ein Gewicht von 500 bis 600 kg, Bullen zwischen 800 und 900 kg. Die Widerristhöhe beträgt 128 bis 130 cm bzw. 138 bis 140 cm.

Aussichten für die Murnau-Werdenfelser Rasse

Es bleibt zu beachten, daß das Murnau-Werdenfelser Rind als eigenständige Rasse erhalten wird. Da noch etwa 50 Zuchtbullen bzw. ausreichend Sperma aus drei verschiedenen Vaterlinien einzusetzen sind, sollte mit Hilfe vom Anpaarungsmodell der Rotationszucht und einer breit angelegten Blutlinienführung eine Fortführung der Rasse in Reinzucht möglich sein.

Die Zahl der Betriebe, die Murnau-Werdenfelser halten, ist nach den Umfragen 1986 und 1994 von 74 auf 49 zurückgegangen. Es müssen Bemühungen angeregt werden, Betriebe im eigentlichen Zuchtgebiet dieser Rasse zu finden. Denn außerhalb dieses Gebietes sind etwa 30 Zuchttiere in anderen Bundesländern verstreut. Es besteht kein Kontakt mehr zu diesen Haltern: diese Tere sind somit für die Erhaltungszucht verloren.

Als einzige bodenständige Rasse Bayerns gebührt ihr besondere Beachtung.

 

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