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Schwerpunkt - Rinder


Das Limpurger Rind


Matthias Meilicke, Heilbronn

Das Limpurger Rind

Das Limpurger Rind ist die älteste noch existierende Rinderrasse Württembergs. Nach Literaturangaben enstand der Limpurger Schlag im Laufe des 18. Jahrhunderts aus Kreuzungen des damals verbreiteten Roten Landviehs mit Allgäuer Vieh. Der Name der Rasse geht auf die südlich von Schwäbisch Hall gelegene Grafschaft Limpurg zurück, die im Jahre 1803 mit Württemberg vereinigt wurde. Da insbesondere am Flüßchen Lein Limpurger Tiere gehalten wurden, werden sie auch Leintäler genannt. Die Verbreitungsgebiete der Limpurger waren der Welzheimer Wald sowie die Gegend zwischen Gaildorf, Schwäbisch Gmünd und Aalen.

Als reine Limpurger galten einfarbige Tiere von hellgelber bis rotgelber Farbe. Die Umgebung von Augen und Flotzmaul sowie der Unterbauch und die Innenseite der Schenkel waren heller als die übrigen Körperteile. Hörner und Klauen waren gelb. Limpurger wurden als Dreinutzungsrind gezüchtet.In den vorwiegend kleinbäuerlichen Betrieben des Zuchtgebietes der Limpurger konnte man sich den Einsatz von Pferden oder Ochsen zu Gespannarbeiten in der Regel nicht leisten. Statt dessen nutzte man Kühe als Arbeitstiere. Daher wurde gleichbetont mit der Milch- und der Fleischleistung auch die Eignung zur Arbeit als Zuchtziel verfolgt. Die Limpurger mit ihren stabilen Gliedmaßen, ihren harten Klauen sowie ihrer Beweglichkeit und ihrer Ausdauer im Zug erfüllten diese Anforderung. In der Literatur wird besonders auf die gute Mastfähigkeit der Limpurger hingewiesen. Mit Grundfutter wie Heu und Öhmd, dem zweiten Schnitt der Wiesen, und ohne Zufütterung von Kraftfutter waren gute Masterfolge zu erzielen. Neben dieser Leichtfuttrigkeit der Limpurger werden vor allem hohe Ausschlachtungsergebnisse, eine Folge ihres feinen Knochenbaus, und die außergewöhnliche Fleischqualität hervorgehoben. Das Fleisch der Limpurger wird in der Literatur als äußerst schmackhaft, besonders feinfaserig, saftig und gut marmoriert beschrieben. Die Ochsen der Limpurger, die im Vergleich zu den Kühen ungewöhnlich groß und schwer wurden, waren in früheren Zeiten wegen ihrer Härte und Mastfähigkeit sehr gesucht.

Ihren zahlenmäßigen Höhepunkt erreicht die Limpurger Rasse in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Der Verdrängungsprozess begann jedoch bereits um die Jahrhundertwende, als viele Betriebe auf Simmentaler, die Vorläufer des heutigen Fleckviehs umstellten. Von den größeren und schwereren Tieren dieser Rasse erhoffte man sich höhere Milch- und Fleischerträge. In den zwanziger und dreißiger Jahren wurden die Gemeinden sogar verpflichtet, Fleckviehbullen als Vatertiere zur Bedeckung aufzustellen. Reinzucht mit Limpurger Tieren wurde auf diese Weise in manchen Gemeinden unmöglich. Der 1903 gegründete Zuchtverband für Limpurger Vieh in Württemberg versuchte durch Einkreuzung von Glanvieh und Franken, dem heutigen Gelbvieh, die Konkurrenzfähigkeit der Limpurger Rasse zu verbessern und der drohenden Verdrängung Einhalt zu gebieten. Es gelang jedoch nicht, den Niedergang der Rasse aufzuhalten. Die Zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft, vor allem in den Nachkriegsjahren, machte Rinder mit guter Zugleistung überflüssig und führte dazu, daß das Limpurger Rind fast vollständig aus den Ställen verschwand. Der Limpurger Zuchtverband wurde im Jahre 1963 aufgelöst.

Im Jahr 1986 machte sich Prof. Hans Hinrich Sambraus, langjähriger Vorsitzender der GEH, und Hans Wieland, der heutige Rinderkoordinator der GEH, auf die Suche nach den noch vorhandenen Restbeständen der Limpurger. Als Folge dieser Aktivitäten wurde im Mai 1987 die Züchtervereinigung Limpurger Rind von 14 Mitgliedern gegründet. Das Land Baden-Württemberg unterstützte die Züchtervereinigung gleich nach ihrer Gründung durch die Bestellung eines staatlichen Zuchtleiters und die Aufnahme der Limpurger in ihr Förderungsprogramm.

Im Sommer 1987 konnten 56 Kühe in das Limpurger Herdbuch aufgenommen werden. 22 dieser Kühe wiesen noch die gewünschte Einfarbigkeit auf, die anderen 34 Kühe stammten mütterlicherseits ebenfalls von Limpurgern ab und waren im Typ den Limpurgern sehr ähnlich. Da der Vater jedoch meist ein Fleckviehbulle war, wiesen sie jedoch mehr oder weniger große weiße Abzeichen auf der Stirn auf.

Mit dem Bullen „Herzog" stand ein rassetypisches Vatertier zur Verfügung. Außerdem wurden der Glanbulle „Habet" sowie die Bullen „Inntal" und „Heidenheim", beides Gelbviehbullen mit Glan Blutführung, zur Zucht eingesetzt. Um für die Zucht geeignete Jungbullen gezielt auswählen zu können, ging man dazu über, auf der Bullenprüfstation Neuhof Bullenkälber zur Eigenleistungsprüfung aufzustellen. Inzwischen stehen aus allen vier Bullenlinien mehrere nachgezogene Jungbullen für die künstliche Besamung und den Natursprung zur Verfügung. Um eine weitere Blutlinienverengung entgegenzuwirken, werden alle Kühe in Herdbuchbetrieben gezielt angepaart..

Das Zuchtziel wurde nach der Gründung der Züchtervereinigung wie folgt festgelegt: Gezüchtet werden soll ein widerstandsfähiges, langlebiges Zweinutzungsrind mit gleicher Gewichtung von Milch- und Fleischleistung, regelmäßiger Fruchtbarkeit, Frohwüchsigkeit und guter Fleischbeschaffenheit. Besonderer Wert wird auf gleichmäßige, drüsige Euter, trockene Fundamente und harte Klauen gelegt. Die Tiere sollen einfarbig gelb sein, in Tönung von hellgelb bis rotgelb. Bei ausgewachsenen Kühen werden Widerristmaße von 134 bis 137 cm bei einem Gewicht von 600 bis 650 kg angestrebt. Ausgewachsene Bullen sollen ein Widerristmaß von 143 bis 148 cm bei einem Gewicht von 1000 bis 1100 kg aufweisen. Da in der heutigen Zeit Kühe und Ochsen nicht mehr zu Gespannarbeiten herangezogen werden, wurde die Arbeitsleistung auch nicht mehr im Zuchtziel berücksichtigt.

Betrachtet man den Stand der Limpurger Zucht, der in den acht Jahren des Bestehens der Züchtervereinigung erarbeitet wurde, ergibt sich in qualitativer wie quantitativer Hinsicht ein sehr erfreuliches Bild:

Die durchschnittliche Milchleistung lag im Jahr 1994 für 95 ganzjährig geprüfte Limpurger Kühe bei 4435 kg Milch, 3,97% Fett, 176 kg Fett, 3,38% Eiweiß und 150 kg Eiweiß.

Die Fleischleistung wird auf der Eigenleistungsprüfstation Neuhof ermittelt. Bei bisher 32 geprüften Bullen lag die durchschnittliche Tageszunahme im Prüfungsabschnitt vom 112. bis 350. Lebenstag bei 1358 g.

Fruchtbarkeit und Nutzungsdauer werden vom Landesverband für Leistungsprüfungen in der Tierzucht in Baden-Württemberg e.V. untersucht. Die Durchschnittswerte für das Erstkalbealter und die Zwischenkalbezeit liegen bei 29,3 Monaten bzw. bei 376 Tagen. Das Durchschnittsalter der Limpurger Kühe beträgt 5,4 Jahre.

Auch der Tierbestand nahm eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung: Die Zahl der im Herdbuch eingetragenen Limpurger Kühe hat sich seit Sommer 1987 mehr als verdreifacht und lag Ende 1994 bei 188. Der Bestand an Jungtieren beläuft sich auf etwa 165. 17 Bullen aus den vier Bullenlinien werden in der künstlichen Besamung verwendet. Dazu kommen noch weitere Bullen, die im Natursprung, vornehmlich Mutterkuhhaltung, eingesetzt werden. In insgesamt 47 Betrieben werden inzwischen Limpurger Tiere gehalten.

Angesichts der erfolgreichen Anstrengungen zur Erhaltung der Limpurger kam Bernhard Glöckler, der langjährige Zuchtleiter der Rasse, zu folgendem Resümee, das in seinen Grundgedanken für alle alten und gefährdeten Rinderrassen Gültigkeit hat: „Die Entwicklung in den vergangenen Jahren ist ermutigend und gibt Anlaß zur Hoffnung, daß diese Rasse als lebende Population erhalten werden kann. Erbanlagen lassen sich durch eine reine Kryokonservierung von Samen und Embryonen erhalten, der kulturhistorische Wert einer Rasse hingegen nicht. Hierzu bedarf es der sichtbaren Verbindung lebender Tiere mit der Landschaft, die sie hervorgebracht und geprägt hat. Neben dem „Genpool" auch das „Kulturgut" Limpurger Rind im Bewußtsein der Menschen zu erhalten, das hat die Züchtervereinigung daher zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Arbeit gemacht".

 

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