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Schwerpunkt - Rinder


Das Glanrind


Joachim Uebel, Idar-Oberstein

Das Glanrind

Herkunft und Zuchtgeschichte

Mit der Verabschiedung einer Körverordnung durch Herzog Christian IV von Pfalz-Zweibrücken im Jahre 1773 (erste Einfuhren von Schweizer Vieh ab 1762) entstanden aus der Einkreuzung von graubraunem Berner Gebirgsvieh und Simmenthaler Rindern in das meist kleine, rote und teilweise rückenblessige Landvieh ein einfarbig brauner Viehschlag am Glan und ein hellerer, teilweise gescheckter am Donnersberg. Ersterer, leichter, edel und milchreich, wurde Glanrind, der andere schwerer, grobknochiger und robuster, Donnersberger genannt. Im Fortgang der Zuchtgeschichte kam es zum starken Blutaustausch zwischen den beiden benachbarten Zuchtgebieten, dann zum Übergang zur Reinzucht und zur Ausfuhr, der inzwischen Glan-Donnersberger genannten Rinder in den Hunsrück, den Westerwald und die Eifel, wo im Kreis Bitburg die gerade erst begonnene Kreuzungszucht mit der französischen Charolais-Rasse zurückgedrängt werden mußte.

Die ersten bekannten Zuchtgenossenschaften wurden um 1880 in Quirnbach/Pfalz und Meisenheim/Glan gegründet, während größere Zusammenschlüsse 1898 (Glan-Donnersberger Zuchtverband; später: Zuchtverband für Gelbes Höhenvieh in der Pfalz,) und 1912 (Verband Rheinischer Glanviehzuchtgenossenschaften; später: Verband Rheinischer Glanviehzüchter) entstanden.

Ab den 20er Jahren ging man von der Reinzucht zur Blutauffrischung mit Gelbem Frankenvieh aus der Würzburger Gegend zur Verbesserung der Form und ab 1953 (ZGHPf) bzw. 1956 (VRG) zur Kombinationskreuzung mit dem Roten Dänischen Milchrind zur Verbesserung der Milchleistung über. Das Zuchtziel hatte sich im Laufe der Zeit stark gewandelt, obwohl man bis in die 50er Jahre hinein immer noch ein Dreinutzungsrind anstrebte. Während im 19. Jahrhundert die Arbeitsleistung an erster Stelle stand, beschloß man in den 30er Jahren unseres Jahrhunderts Milch und Fleisch voranzustellen, bis in der Endphase der Zucht ausschließlich auf Milchleistung gezüchtet wurde. Doch das Dilemma war vorprogrammiert: auf die sehr guten F1-Kreuzungen folgten entweder Rückzüchtungen mit gutem Fleischbildungsvermögen (Rückkreuzung mit gelbem Frankenvieh) aber äußerst geringer Milchleistung oder sehr milchergiebige, aber extrem schwach bemuskelte Kühe, wenn eine weitere Anpaarung mit Roten Dänen erfolgte (Rückkreuzung mit roten Dänen). Am Ende entschied man sich in der Pfalz ab 1970 zur totalen Verdrängung des alten Glan-Donnersberger Schlages mit Anglern, während man nördlich von Nahe und Glan gegen Ende der 60er Jahre den Glanviehzüchtern riet, ihre Kühe mit Sperma von rotbunten Bullen zu belegen oder aber ganz die Zucht aufzugeben. Ergebnis war ein langsames Sterben des Verbandes, das sich von 1967 (Einstellung der Reinzucht) bis 1972 (Auflösung des VRG) hinzog.

Mit dem Anschluß der Züchtervereinigung Westerburg an den Trierer Verband im Jahre 1959 dürfte mit etwas mehr als 400 000 Tieren der höchste Stand der immer noch in hoher Blüte stehenden Rasse erreicht gewesen sein. Danach begann ein Niedergang von nie zuvor gekanntem Ausmaß, der fast bis zum Aussterben der Rasse führte.

Die wahren Gründe für den Rückgang sind mit Sicherheit nicht in der mangelnden Milchleistung zu suchen, wie die Statistiken der Landeskontrollverbände auf den ersten Blick zu belegen scheinen. Es wurde bisher nicht mitbedacht, daß ca. 80% aller Glan-MLP-Kühe auf mäßigen bis schlechten und nur ein Fünftel auf guten Standorten gehalten wurden, während es bei den vordringenden Niederungsrassen genau umgekehrt war. In bezug auf die Fleischleistung erreichte der gelbe Höhenviehschlag ansehnliche Zunahmen und für die Gespannarbeit eignete er sich ebenfalls hervorragend. Die wahren Ursachen des fast endgültigen Untergangs lagen im Rückgang der Gemeindebullenhaltung und dem vergleichbar billigeren Angebot von Tieflandbullen auf den Auktionen, was die größte Einnahmequelle der Glanviehzüchter zum Versiegen brachte. Ferner sind die geringe Anzahl der Herdbuchtiere gemessen an der Gesamtpopulation - nur 2% sind Herdbuchtiere des VRG - zu nennen, der Wegfall des Arbeitseinsatzes von Rindern und Pferden durch das Aufkommen des Ackerschleppers sowie der starke Rückgang der Kleinbetriebe, die das Rückgrat der Glanviehzucht bildeten. Ob die mehr oder weniger deutliche Ablehnung der instrumentellen oder künstlichen Besamung (IB, KB) den züchterischen Fortschritt zu stark gehemmt hat, kann nicht mehr festgestellt werden, da ihr mit der Umstellung hervorragender Stammbullen auch auf natürlichem Wege entgegengewirkt wurde. Aus der Perspektive heutiger Erhaltungszucht wird die Gemeindebullenhaltung ihre nachträgliche Würdigung erfahren müssen, während die Ausmerzung vieler hervorragender Glan-Zuchtkühe im Zusammenhang mit der Tbc-Sanierung damals für die Zucht einen schweren Rückschlag bedeutete.

Erhaltung, Entwicklung und Beschreibung der Rasse

Als der von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. initiierte Arbeitskreis "Verein zur Erhaltung und Förderung des Glanrindes" am Beginn seiner Aktivitäten im Jahre 1984 überall im Lande Glan- bzw. Glan-Donnersberger Kühe im Gepräge des Einfarbig Gelben Höhenviehs suchte, hat er neben 10 Glan-Franken-Kreuzungstieren und 11 weiteren Rindern mit unterschiedlich hohen Glanblutanteilen nur noch 4 reinblütige Tiere vorgefunden; Sperma eines reinrassigen Glanbullen gab es überhaupt nicht mehr.

Ende 1994 gab es wieder über 110 einfarbig hell-, mittel- oder dunkelgelbe Zuchtkühe, 29 Deckbullen, 5 KB-Bullen (Sperma) und etliche Embryonen. Mit einer durchschnittlichen Kreuzbeinhöhe der brust- und flankentiefen Kühe von 137 cm (145 cm Bullen) bei einem Gewicht von 600 kg (Kuh) bzw. 1.100 kg (Bulle) sowie einer Milchleistung von rund 4.800 kg/Jahr bei 4% Fett und 3,5% Eiweiß dürfte das Glanrind den Stand der alten Zucht erreicht oder sogar überrundet haben. Die sprichwörtliche futterdankbare Genügsamkeit, Fruchtbarkeit und robuste Gesundheit sind wie einst vorhanden. Die Zucht ist auf dem besten Weg, den Blutanteil bei über 50% zu festigen und dabei die Größe und die ebenmäßigen Körperformen der Rinder: kurzer, breiter Kopf mit hellem Flotzmaul, große, hellwache Augen, herabhängende Wamme, feste, gerade Rückenlinie, langes, breites Becken mit weitem Sitzbein, harte Klauen, geräumiges, gut angesetztes drüsiges Euter mit regelmäßiger Strichstellung; auch über unser Jahrtausend hinaus zu erhalten. Es ist fast unnötig zu erwähnen, daß die Glankuh auf ihrem Weg in die Mutterkuhhaltung voll im Trend liegt (Milchreichtum, gute Bemuskelung, Leichtkalbigkeit) und eine große Zukunft vor sich hat, wie sie dieser Rasse nicht anders gebührt.

 

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