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Schwerpunkt - Rinder


Deutsches Gelbvieh - Frankenvieh


Hartmut Glock, Wolfhagen

Deutsches Gelbvieh

Zuchtgeschichte

In seinem Ursprung ist das heutige Frankenvieh auf einen roten bis rotbraun gefärbten keltisch-germanischen Landschlag zurückzuführen. Das daraus hervorgegangene altfränkische Rind war von sehr kleiner Statur, rotbraun gefärbt, spätreif, genügsam und für damalige Verhältnisse genügend mastfähig.

Ausgewachsene Kühe hatten eine Widerristhöhe von 118cm und ein Gewicht von etwa fünf Zentnern; Ochsen erreichten 6,5 Zentner. Mit der Einführung des Ackerfutterbaus wurden aber schwerere Zugochsen benötigt. Daher begann man ab 1800 mit der oft planlosen Einkreuzung zahlreicher anderer Rinderrassen, darunter braungefleckte Ostfriesen, Grauvieh, Limpurger, Glanvieh, Ansbach-Triesdorfer und Heilbronner Vieh, welches den nachhaltigsten Einfluß ausübte. Mitte des 19.Jahrhunderts war in der fränkischen Rindviehzucht gelb bzw. gelbrot zur absoluten Modefarbe geworden. Die Reinzucht der altfränkischen rotbraunen Stämme wurde aufgegeben. Ab 1860 wurden vermehrt Simmentaler Bullen eingekreuzt, wodurch Frühreife und Wüchsigkeit deutlich verbessert wurden. In geringerem Maße wurden auch Shorthornbullen eingesetzt, was sich auf die Mast- und Schlachtleistungen positiv auswirkte. In relativ kurzer Zeit wurden große Erfolge erzielt und die fränkischen Viehmärkte hatten reißenden Absatz an Zug- und Zuchtvieh.

Um 1875 begann die planmäßige Reinzucht auf Einfarbigkeit (gelb), Arbeitstüchtigkeit und Frohwüchsigkeit. 1897 bzw. 1899 wurden in Nürnberg undWürzburg zwei Zuchtverbände für gelbes Frankenvieh gegründet, die sich 1905 vereinigten. Im Zuchtziel wurde die Reinzucht propagiert, da sie den Absatz von jährlich mehreren tausend Zugochsen nach Nord- und Ostdeutschland garantieren sollte. Nach einem enormen Aufschwung in den zwanziger Jahren, einem Tief durch die Weltwirtschaftskrise und einer Stabilisierung in den ersten Jahren der Naziherrschaft brachten der zweite Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre die Zucht fast zum Erliegen. So sank z.B. die durchschnittliche Milchleistung aller unter Kontrolle stehenden Betriebe von 2004kg im Jahre 1937 auf 1121kg in 1947.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Kuh und der Ochse als Arbeitstier mehr und mehr vom Traktor verdrängt. Die Erhöhung der Milchleistung stand von nun an im Vordergrund, da das gelbe Frankenvieh in der Mast- und Schlachtleistung ohnehin schon eine führende Position innehatte.

1963 wurden 700 Samenportionen des Dänischen Rotviehs eingeführt. Der Versuch, dadurch die Milchleistung bei gleichbleibender Fleischleistung zu steigern, verlief aber im Sande. Zur Erweiterung der Blutlinienführung wurden ab 1980 vier Bullen des Roten Flämischen Rindes eingesetzt, einer fleischbetonten Zweinutzungsrasse aus Belgien. Dieser Zuchtversuch blieb ebenfalls ohne größere Auswirkungen.

Rassebeschreibung, Zuchtziel und Leistungen

Der Begriff „Deutsches Gelbvieh" ist ein wenig irreführend. Denn außer dem Frankenvieh gibt es in Deutschland noch zwei weitere Gelbviehrassen, das Glanrind und das Limpurger Rind. Da diese beiden Rassen aber nur sehr geringe Bestandsgrößen aufweisen können, ist man dazu übergegangen, das Frankenvieh als Deutsches Gelbvieh zu bezeichnen.

Wie der Name Gelbvieh schon ausdrückt, ist das Frankenvieh ein einfarbig gelbes Rind. Es hat gewöhnlich ein helles Flotzmaul, es kommen jedoch auch Tiere mit dunklem Flotzmaul vor, was sich eventuell noch auf die Einkreuzungsversuche mit den Roten Dänen zurückführen läßt. Das Frankenvieh ist ein mittel- bis großrahmiges Rind mit guter Bemuskelung und kräftigem Knochenbau. Es hat sehr widerstandsfähige Klauen (ganzjährige Stallhaltung) und ist in der Regel behornt.

Das gelbe Frankenvieh wurde bis zum Ende des zweiten Weltkrieges als Dreinutzungsrind gehalten. Durch die steigende Mechanisierung in der Landwirtschaft waren in der Folgezeit Zugtiere immer weniger gefragt. Steigende Milchpreise erforderten nun eine Verbesserung der Milchleistung. Im aktuellen Zuchtziel des Frankenviehs wird die Milch- und Fleischleistung gleichmäßig betont:

Zuchtgebiet

Das Hauptzuchtgebiet für das gelbe Frankenvieh bilden seit jeher die drei nordbayerischen Bezirke Unter-, Ober- und Mittelfranken. Die daneben bestehenden Zuchtverbände wurden inzwischen aufgelöst: Südniedersachsen (ca. 1960), Thüringen (ca. 1965) und Nordhessen (ca. 1972).

Größere Mutterkuhbestände wurden in den letzten Jahren in den neuen Bundesländern aufgebaut.

Aktuelle Situation

Das Frankenvieh ist zur .Zeit nicht akut vom Aussterben bedroht. Besorgniserregend ist allerdings der stark rückläufige Gesamtbestand dieser Rasse. Zu seiner Blütezeit Ende der fünfziger Jahre gab es in Deutschland über 800 000 Frankenrinder (über 7% des Gesamtrinderbestandes der BRD). Inzwischen dürfte die 100 000er Grenze unterschritten worden sein (weniger als 0,7%). Alarmierend ist vor allem die Halbierung der Anzahl von Herdbuchkühen zwischen 1988 und 1994 von 24 000 auf 12 000 Tiere. Sollte sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzen, wäre eine weitere wertvolle Rinderrasse ausgestorben, obwohl diese bedrohlichen Entwicklungen bekannt waren.

 

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