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Schwerpunkt - Rinder


Das Original Braunvieh


Wolfgang Kustermann, Freising

Das Original Braunvieh

Geschichte

Das Braunvieh ist schon seit Jahrhunderten im Voralpen- und Alpengebiet verbreitet. Es geht auf das Torfrind der Alpenrandseen (vor 2000 Jahren), das vermutlich kleinste und älteste europäische Hausrind, zurück. Da die Rinder damals - mehr als heute - unterschiedlichen Umweltverhältnissen ausgesetzt waren, entwickelten sich verschiedene Landschläge, wie Allgäuer, Montafoner, Schwyzer, Lechtaler u.v.m. Allerdings führten die Rinderpest und der große Aufschwung in der Milchwirtschaft am Anfang und am Ende des 19 Jhd. wesentlich zum Niedergang des Allgäuer Rindes in Deutschland. Das fehlende Zuchtvieh wurde vorwiegend über Importe aus der Schweiz bezogen, um die Zucht zu vereinheitlichen und neu aufzubauen. Nach dem ersten und zweiten Weltkrieg kam Braunvieh vermehrt aus Vorarlberg und Tirol. Weiteres Zuchtvieh kam auch in den 50er Jahren infolge der Tuberkulose- und Brucellose-Tilgung.

Ab dem zweiten Weltkrieg bis in die 60er Jahre stand die Zucht des sogenannten Wirtschaftstyps im Vordergrund. Gefragt war das langlebige, genügsame Braunviehrind der Zweinutzungsrichtung Milch und Fleisch. Mit der Einkreuzung von Brown Swiss zur Verbesserung der Milchleistung entwickelte sich die Braunviehpopulation zur milchbetonten Rasse. Was als Einkreuzung gedacht war, wurde zur Verdrängungskreuzung. 1981 stellte man die Besamungen mit ursprünglichen Braunvieh ein. Der Brown Swiss-Genanteil beträgt heute über 60%.

Die Rasse Brown Swiss stammt zwar vom Schweizer Braunvieh ab, wird aber bereits über 100 Jahre unter anderen Standort-, Klima- und Fütterungsbedingungen gehalten. Die geringe Bestandsgröße, mögliche Einkreuzungen anderer amerikanischer Rassen und die Selektion auf eine hohe Milchleistung dürften zudem für die relativ großen genetischen Distanzen zwischen Brown Swiss und Original Braunvieh verantwortlich sein.

Um den Reinzuchtbestand von modernem Kreuzungsbraunvieh unterscheiden zu können, werden Tiere ohne Brown Swiss-Genanteil heute international als Original Braunvieh bezeichnet. Dieser Begriff ist Ausdruck für Reinrassigkeit und Bodenständigkeit.

Erscheinung

Das Original Braunvieh ist ein kleineres bis mittelgroßes Rind mit einer Widerristhöhe der Kühe von ca. 130-137 cm und der Bullen von ca. 137-148 cm. Die Tiere sind relativ kurz mit kräftigem Knochenbau und sehr guter Bemuskelung. Die durchschnittliche Milchleistung beträgt fast 5000 kg. Robustheit, gute Fruchtbarkeit und hohe Langlebigkeit machen das Original Braunvieh zu einem unkomplizierten Rind.

Die Haarfarbe geht von mausgrau bis dunkelbraun. Die Hornspitzen, Flotzmaul und Klauen sind dunkel, die Umsäumung des Flotzmauls und die Innenbehaarung der Ohren sind hell. Die Bullen sind dunkler als die Kühe. Im Vergleich zu modernem Kreuzungsbraunvieh ist es kürzer und kleiner, aber besser bemuskelt.

Aktuelle Zuchtziele

Am 25.02.1995 war die Gründerversammlung des Allgäuer Original Braunviehzuchtvereins e.V. der sich der Erhaltung und Züchtung dieser Rasse annehmen will. Hinsichtlich Erhaltung sollen die Allgäuer Blutlinien besondere Beachtung finden, weil nur noch ein sehr kleiner Restbestand von ca. 50 Original Allgäuer Kühen vorhanden ist. Allgemein besteht der Wunsch nach etwas mehr Größe und Milchleistung. Ausgehend von einer mittleren Einsatzleistung sollen die Tiere in den nachfolgenden Laktationen eine gute Leistungssteigerung aufweisen. Die gute Fleischleistung und -qualität soll beibehalten werden. Robustheit und Langlebigkeit sollen in der Zucht eine zentrale Rolle spielen. Der Restbestand der Population bietet hierfür eine sehr gute Ausgangsbasis, da nur die Tiere mit guter Konstitution und Fruchtbarkeit in den Betrieben verblieben sind.

Das Original Braunvieh kann sowohl in der Milchvieh- als auch in der Mutterkuhhaltung eingesetzt werden. Sein Verbreitungsgebiet stellt die Voralpen- und Alpenregion dar.

Derzeitige Situation

Seit im Jahr 1988 mit den Erhaltungsbemühungen begonnen wurde, konnte der Rückgang des Bestandes gestoppt werden. 1994 waren insgesamt 350 weibliche Tiere (bis zu 12,5% Brown Swiss) in Bayern und Baden-Württemberg gemeldet. Gegenüber 1993 war eine geringe Zunahme festzustellen. Die Nachfrage wurde größtenteils über den Import aus der Schweiz gedeckt, wo derzeit etwa noch 9000 Kühe gehalten werden. Insgesamt sind noch etwa 70000 Spermaportionen im Inland vorhanden.

Seit 1992 ist das Original Braunvieh als eigenständige Rasse anerkannt und befindet sich auf der Liste der gefährdeten Rinderrassen in Bayern. Der Bayerische Staat fördert die Aufzucht über eine Jungkuhprämie und die Erhaltung über die Tierzuchtämter.

Das Original Braunvieh gehört von seinen guten Eigenschaften zu den beachtenswerten Rinderrassen. Die positive Entwicklung und zunehmende Nachfrage nach Zuchttieren stehen dafür, daß die Population zukünftig in Deutschland erhalten werden kann.

 

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