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Schwerpunkt - Rinder


Das Angler Rind


Angler Rind

Iris Weiland, Witzenhausen

„Unter allen ausgestellten Kühen war es die Angler Kuh, bei welcher die Zeichen großer milchproduzierender Tätigkeit des Euters am meisten vertreten sind. Es scheint, daß sie die letzte Faser ihres Fleisches in Milch umsetzt."

Dieser sehr engagierte Text über das Angler Rind erschien 1856 anläßlich einer Ausstellung in Paris in der damaligen Fachpresse.

Zuchtgeschichte

Der erste schriftliche Nachweis des Angler Rindes stammt aus dem 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit waren die Tiere noch nicht einheitlich, sie unterschieden sich stark in Größe und Aussehen. Vor allem kamen neben den einfarbigen auch rotbunte Tiere vor. Bereits 1858 wurde festgelegt, die Rasse lediglich durch Reinzucht zu fördern und auf Einheitlichkeit zu achten. Zur Zucht wurden nur noch Tiere mit einheitlich roter Fellfärbung zugelassen, lediglich etwas Weiß an der Schwanzspitze wurde gestattet.

1879 wurde der Angler Viehzuchtverein gegründet und ein Herdbuch eingerichtet. 1885 waren darin bereits 100 Bullen und 3000 weibliche Tiere eingetragen. Die ursprünglich nur wenig mehr als 300 kg wiegenden Tiere wurden im Laufe der Zeit erheblich schwerer. Seit 1945 sind die Angler mit den anderen deutschen Rotviehschlägen in dem „Verband deutscher Rotviehzüchter" zusammengefaßt.

Kreuzungen mit anderen Rassen

Die Überlegenheit der Angler über viele andere Rinderrassen in Deutschland in bezug auf Milch- und Milchfettleistung war so groß, daß sie seit der Nachkriegszeit in alle anderen roten Rassen eingekreuzt wurden (Harzer Rotvieh, Frankenvieh, Glanvieh, sowie in Rinder Osteuropas, der Niederlande und anderer Länder), wobei diese ursprünglichen Populationen zum Teil nahezu verdrängt wurden.

Aber auch in das Angler Rind selbst wurden in den letzten 100 Jahren gelegentlich Rotes Dänenvieh und entsprechendes Blut aus Schweden eingekreuzt, wodurch sich eine deutliche Typänderung vollzog.

Verbreitungsgebiet

Die Rasse hat ein geschlossenes Stammzuchtgebiet. Es umfaßt auf einer Fläche von etwa 1000 qkm die Landschaft Angeln mit umliegenden Gebieten. In Angeln liegen auch heute noch die meisten der wichtigsten Zuchtbetriebe.

Das Angler Rind konnte allerdings schon 1936 nicht mehr als Landrasse bezeichnet werden. Die damals sehr beliebte Rasse wurde sogar in Bayern, Sachsen und im Saarland gehalten.

1936 zählte man in Schleswig Holstein 81 456 Tiere (94% des damaligen Gesamtbestandes).

Besondere Leistungen

Angler werden als milchbetonte Zweinutzungsrinder bezeichnet. Ihre Milchleistung lag 1992 bei fast 6000 kg jährlich im Herdbuchdurchschnitt, sie erreichen eine gute Mastleistung und Fleischqualität. Ihr zartes Fleisch ist durch einen geringen Bindegewebsanteil, gutes Safthaltevermögen und Geschmack beliebt.

Das ökonomische Verhältnis von Gesamtfutteraufwand zu Milchertrag verbunden mit einer hohen Lebensleistung in kg Milch und Fett zeichnet sie gerade nach Einführung der Quotenregelung als wirtschaftlich zu haltende Rasse aus. Große Bedeutung hat die Zucht auf Eutergesundheit.

Obwohl das Angler Rind nicht auch als Arbeits- oder Zugtier gezüchtet wurde, besitzt es harte Klauen und ein gesundes Fundament. Ausgeprägt ist die Anpassungsfähigkeit an andere, auch extreme Klimaverhältnisse.

Zur Wirtschaftlichkeit tragen ein niedriges Erstkalbealter, eine geringe Rate an Schwergeburten, geringe Kälberverluste und eine kurze Zwischenkalbezeit bei.

Derzeitige Situation

Heutzutage machen die Angler nur etwa 0,5 % der derzeitigen Rinderpopulation in Deutschland aus, 1993 wurden noch ca. 12000 Angler in Deutschland gehalten.

Zur Verbesserung der Milchleistung wurde gelegentlich Rotes Dänenvieh eingekreuzt. Leider ist der tatsächliche Anteil an reinrassigen Anglern nicht ausreichend dokumentiert. Es erscheint dringend erforderlich, den Grad der Eigenständigkeit dieser Rasse zu untersuchen, um eine weitere Verkreuzung der letzten reinrassigen Tiere zur Erhaltung der ursprünglichen Rasse zu vermeiden.


 

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