|
Gesellschaft zur
Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) |
| GEH - Rassekurzbeschreibungen Schafe |
Weißes Bergschaf

(Foto:
Josef Kinzelmann )
Kennzeichen:
Das Weiße (Bayerische) Bergschaf hat einen edlen, schmalen und ramsnasigen Kopf, ist hornlos und trägt lange, breite, hängende Ohren. Das mittelgroße bis große Schaf ist tief und geschlossen, der Rücken ist lang und breit mit guter Rippenwölbung und fester Nierenpartie. Es hat kräftige Beine mit straffer Fessel und harter Klaue. Die Hinterbeine sind leicht gewinkelt. Die 15 bis 20 cm lange, weiße Wolle ist schlicht bis gewellt, von seidigem Glanz und hat 60 bis 70 Prozent Reinwollgehalt. Die Wollfeinheit beträgt C-D (32 bis 36 Mikron). Das Weiße Bergschaf wird im Frühjahr und Herbst geschoren.
Zuchtgeschichte:
Das
Weiße Bergschaf geht auf das Zaupel- bzw. Steinschaf sowie insbesondere auf das
norditalienische Bergamaskerschaf zurück. Dieses Bergamaskerschaf ist ein schon
seit Jahrhunderten bekanntes schweres Hängeohrschaf, das sein
Verbreitungsgebiet vor allem während der Zeit der österreichischen Herrschaft
von der Lombardei aus über ganz Oberitalien ausdehnte. Wenig später kam es über
Kärnten, die Steiermark, Salzburg und Tirol bis in die bayerische Alpenregion.
Ursprünglich gab es viele verschiedene Schläge, die in Deutschland in den 30er
Jahren zusammengefasst und vereinheitlicht wurden.
Verbreitung:
Hauptzuchtgebiet des Weißen
Bergschafes in Deutschland ist Bayern und hier insbesondere in Oberbayern im
Werdenfelserland von Oberammergau über Garmisch-Partenkirchen bis Mittenwald,
im Pfaffenwinkel in dem Gebiet um Weilheim, Bad Tölz, im Berchtesgadener Land
und im Allgäu. Vereinzelt gibt es auch Herdbuchzuchten in anderen Bundesländern
wie z.B. in Hessen, Niedersachsen und Sachsen.
Eigenschaften/Leistung:
Anpassungsfähigkeit an die raue Haltung im Hochgebirge, nutzt für Rinder unzugängliche Hochlagen. Eignet sich aber auch bestens für die Koppelschafhaltung in kleineren Herden. Harte Klauen, Steig- und Trittsicherheit, beste Eignung für niederschlagreiche Gegenden. Frühreife, hohe Fruchtbarkeit (Zuchtleistung 180-250 ), asaisonales Brunstverhalten. Erstzulassung mit 8 Monaten. Die jährliche Wollmenge beträgt bei Mutterschafen 4,5 – 5,5 kg und bei Böcken 6,5 – 7,5 kg.
Besondere Leistungen:
| Lämmer je Lammung: |
1,7 |
|
Zwischenlammzeit: |
250 Tage |
|
Ablammergebnis: |
220 % |
| Aufzuchtergebnis: |
200 % |
Gewichte:
|
Jährlingsböcke |
70 – 90 kg |
|
Altböcke |
90 – 130 kg |
|
Jährlingsschafe |
50 – 65 kg |
|
Mutterschafe |
70 – 85 kg |
|
Tägliche Zunahmen |
200 – 350 g |
Bestand:
(Stand
vom 1. Januar 2005):
Der Gesamtbestand an Weißen Bergschafen wird auf 8000
Mutterschafe geschätzt. Insgesamt 43 Zuchtbetriebe züchten mit 62 Zuchtböcken
und 1061 Mutterschafen in Bayern. In den Bundesländern Baden-Württemberg,
Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stehen 9 Böcke und 105 Mutterschafe in
der Zucht. Die Rasse wird nur in Deutschland gezüchtet. Das Tiroler Bergschaf
im benachbarten Österreich unterscheidet sich deutlich in wichtigen
Zuchtkriterien wie Wolle, Rahmen und Typ.
Problematik:
Von den 43 eingetragenen Zuchtbetrieben in Bayern
sind es etwa 20 Züchter, die aktive Zuchtarbeit betreiben, das heißt auch
junge Zuchtböcke bei den Auktionen zur Versteigerung auftreiben. Die Blutlinien
werden dadurch sehr eng, da es immer wieder nur einzelne Züchter sind, die
gefragte Spitzentiere hervorbringen. Erschwerend kommt hinzu, dass einige aktive
Züchter aus Altersgründen in den nächsten Jahren die Zuchtarbeit aufgeben
werden.
Heutige Bedeutung: