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Gesellschaft zur
Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) |
| GEH - Rassekurzbeschreibungen Geflügel |
Die Aylesburyente
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Aylesburyenten
1,1 im Wirtschaftstyp |
Moderne
Aylesburyente 0,1 |
Aylesburyenten
1,1 im Ausstellungstyp |
Die Aylesburyente wird in der Literatur durchweg als älteste, konsequent gezüchtete Entenrasse erwähnt, die all die Jahre auch immer auf Schauen vertreten war. Das Besondere ist, dass es diese Ente zu allen Zeiten als "Wirtschaftstyp" und als "Ausstellungstyp" gegeben hat. Heute spielt die Aylesburyente in der Wirtschaftsgeflügelzucht keine Rolle mehr und ist weltweit auch im Ausstellungstyp stark gefährdet.
Kennzeichen/Besonderheiten:
Der Geflügelstandard fordert für
die Aylesburyente:
Eine sehr massige, breite, jedoch nicht plump erscheinende, in allen Körperteilen
fein gegliederte Ente mit waagerechter Haltung. Viel Wert ist auf eine gute
Kielausbildung zu legen. Wichtig ist ein reinweißes Gefieder. Auffälliges
Merkmal ist auch der lange Kopf mit langem, rosafarbigen Schnabel. Für den
Erpel wird ein Gewicht von 3,5 kg gewünscht, für die Ente 3,0 kg.
So viel zur Theorie. In der
Praxis wird man auf Schauen kaum ein Tier in dem gewünschten Gewichtsspektrum
finden. Üblich sind dort Gewichte bei ausgewachsenen Erpeln zwischen 4,5 und
5,5 kg und bei weiblichen Tieren zwischen 4,0 und 5,0 kg. In der Literatur Ende
des 19. Jh. wird das Gewicht der Ente mit ca. 4 kg und das des Erpels mit 4,5
bis 5 kg angegeben.
In alter Literatur kann man
auch lesen, dass die Aylesburyente früher eine gute Brüterin und Mutter war.
Das kommt heute so gut wie gar nicht mehr vor, die Küken der Aylesburyente schlüpfen
in der Regel im Kunstbrüter.
Herkunft und Verbreitung:
Die Aylesburyente wurde im Laufe des 18.
Jahrhunderts in England aus der weißen englischen Landente erzüchtet. Der züchterische
Schwerpunkt lag in der Grafschaft Buckinghamshire, rund um das Städtchen
Aylesbury herum, das ca. 55 km nordwestlich von London liegt. Die jungen
Mastenten wurden im Alter von acht Wochen mit einem Gewicht von 5 – 6 Pfund im
Frühjahr als sogenannte „grüne Enten“ mit großem Erfolg auf den Londoner
Märkten verkauft.
Als Mitte des 19. Jh. die
Mastentenzucht in den USA und Europa zunahm, gelangten die ersten Tiere auch
nach Deutschland, verbreiteten sich sehr rasch und wurden zur beliebtesten und
bekanntesten Rasse. Doch die Begeisterung hielt nicht sehr lange an. Bereits
zwischen 1870 und 1880 bekam die Aylesburyente durch die Pekingente zunehmende
Konkurrenz. Obwohl zu dieser Zeit noch immer als feinste Tafelente bezeichnet,
wurde sie gegen Ende des 19. Jh. als Wirtschaftsrasse von dieser auf den
zweiten Platz verdrängt. Das ist um so überraschender, weil der Aylesburyente
damals zusätzlich zur feinen Fleischqualität auch gute Haltungseigenschaften
nachgesagt wurden. Sie galt als äußerst wetterfest, schnellwüchsig und frühreif,
und eine Zeit lang sogar als zuverlässige Brüterin. Insgesamt hatte die
Aylesburyente gegenüber ihrer Rivalin, der Pekingente, also keine Nachteile. Im
Gegenteil, die äußerst erfolgreiche Pekingente amerikanischer Zuchtrichtung
ist wahrscheinlich durch massive Einkreuzungen von Aylesbury-Blut entstanden.
Eigenschaften/Leistung:
Die Aylesburyente im
Wirtschaftstyp liefert hervorragendes Fleisch und ist durch ihr hohes Gewicht,
das sie bereits nach kurzer Zeit erreicht, für den Nebenerwerb sehr
interessant. Das reinweiße Gefieder und die weiße Haut ergeben einen sehr
appetitlichen und gut verkäuflichen Schlachtkörper. Doch diese Ausprägung der
Aylesburyente ist in Deutschland mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr vorhanden.
Wer sich für die Ente dennoch
unter wirtschaftlichen Aspekten interessiert, ist für den Erwerb auf die
wenigen noch vorhandenen Rassegeflügelzüchter angewiesen. Bei diesen Züchtern
stehen wirtschaftlich relevante Leistungsmerkmale bekanntlich erst an zweiter
Stelle, d.h. man erhält dort Tiere, die zwar perfekt dem "Deutschen Geflügel
Standard" entsprechen, aber in der Regel nicht den Erwartungen eines
Archehof-Betreibers. Die meisten Alttiere sind viel zu fett und schleifen den
Kiel, eines der wichtigsten Rassemerkmale im Geflügel-Standard, allzu häufig
durch den Dreck. Es ist also ratsam beim Kauf auf Tiere mit geringerer
Kielbildung zu achten bzw. später darauf zu
selektieren. (Die Rassegeflü- gelzüchter geben solche Tiere in der
Regel zu günstigen Preisen ab, da sie für Ausstellungen nicht geeignet sind).
Um eine ordentliche
Befruchtungsrate der Eier zu erreichen, sollte der Zuchtstamm nicht größer als
1,2 und die Tiere nicht zu fett sein. Für den Tretakt benötigen die Enten eine
flache Wasserstelle.
Bestand:

Gefährdungsgrad:
Die Aylesburyente spielt heute in der Wirtschaftsgeflügelzucht überhaupt
keine Rolle mehr und ist auch als Ausstellungstyp stark gefährdet. In U.K. gibt
es noch ein oder zwei Betriebe, die den Wirtschaftstyp der Ente für die
gehobene Gastronomie züchten. In der Rassegeflügelzucht steht die Ente sowohl
im Stammland England als auch in den USA, wo sie zeitweilig eine sehr große
Verbreitung hatte, auf den Roten Listen. In Deutschland ist die Aylesburyente
dieses Jahr (2003) als extrem gefährdet (Kategorie I) in die Rote Liste der GEH
aufgenommen worden; hier gibt es z.Zt. nur noch acht bekannte Züchter. Auf
Ausstellungen ist die Ente kaum noch zu sehen.
Weiterführende Informationen:
Aylesburyente
(Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland)
| Ein Informationsservice der GEH e.V. Stand: - Geschäftsstelle (GEH) © Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) |